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Weiß-blau in der Grünen Hölle Der 53. Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring

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BMW M1 Procar in roter BASF-Lackierung von schräg oben

Lizenziert · Bassaar · CC BY-SA 4.0

Der 53. BELMOT Oldtimer-Grand-Prix stellte den BMW M3 zum 40. Geburtstag in den Mittelpunkt — und zeigte nebenbei, warum historische Rennwagen erst auf der Strecke wirklich lebendig werden

Es gibt Geräusche, die man nicht beschreiben, sondern nur einordnen kann. Der Vierventil-Sechszylinder eines BMW M1 Procar im dritten Gang durch die Veedol-Schikane ist so eines. Kein Popcorn-Knallen moderner Abgasklappen, kein synthetischer Nachhall — nur ein trockener, harter Ton, der einem in der Brust sitzt, lange bevor das Auto in Sicht kommt. Wer am zweiten August-Wochenende am Nürburgring stand, hat diesen Ton gleich zweimal gehört. Und zweimal führte er zum selben Ergebnis.

43.000 Zuschauer kamen vom 7. bis 9. August zur 53. Auflage des BELMOT Oldtimer-Grand-Prix — deutlich mehr als im Vorjahr, begünstigt von drei Tagen bestem Sommerwetter. Über 500 Rennwagen waren in rund zwei Dutzend Rennen, Demoläufen und Ausfahrten unterwegs. Für BMW-Fans war es ein besonderer Jahrgang: Der M3 feierte seinen 40. Geburtstag, BMW Classic präsentierte ein völlig neues Streckenformat, und Schnitzer Motorsport bekam eine Bühne, die weit über eine Fahrzeugpräsentation hinausging.

Neun Jahrzehnte auf 4,6 Kilometern

Die Faszination des OGP entsteht aus der Taktung. Kaum ist ein Vorkriegs-Sportwagen von der Strecke, rollt ein Formel-1-Wagen der Cosworth-Ära heraus, dann ein Gruppe-5-Turbo, dann ein Prototyp aus den 2000ern. Die Epochen stehen nicht ordentlich hintereinander, sie überholen sich gegenseitig. Genau das unterscheidet den Nürburgring-Termin von einer statischen Ausstellung: Hier werden die Autos nicht bewahrt, indem man sie stillstellt, sondern indem man sie arbeiten lässt.

Das Programm 2026 im Überblick:

Klasse / Format Fahrzeuge Bemerkung
Vintage Sports Car Trophy Vorkriegs-Sportwagen Time on Track, u. a. mit dem Mercedes-Benz 680 S von Rudolf Caracciolas Sieg im Eröffnungsrennen 1927
HGPCA-Rennen Grand-Prix-Wagen der Front- und frühen Heckmotor-Ära Neun Maserati angekündigt, darunter mehrere 250F
Formula Heritage (neu) Formel 3, 2, 1, 3000 und 5000 der 70er bis 90er Time-on-Track-Premiere, u. a. Embassy Hill GH1/3 aus dem GP Deutschland 1975
Abendrennen Zweisitzige Rennwagen und GT bis 1960/61 41 Fahrzeuge, Start in der Dämmerung, Abschluss mit Ballonglühen und Feuerwerk
DRM-Revival Deutsche Rennsport-Meisterschaft, Gruppe 5 und Zweiliter BMW-Terrain: M1 Procar, BMW 2002, BMW 320, dazu Turbo-Capri, Porsche 935, Opel Manta
Tourenwagen Golden Ära DTM und verwandte Serien der 80er und 90er BMW M3 E30 und E36 M3 GTR gegen Ford Sierra RS500 und Co.
Super Touring Revival Zweiliter-Supertourenwagen der 90er Hochdrehende Vierzylinder von BMW, Opel und Audi
Class One Revival (neu) DTM-Fahrzeuge der Klasse-1-Ära 1993 bis 2020 Von BMW Classic präsentiert, Time-on-Track-Format
Historic Championship ’65 / ’81 GT, Tourenwagen, Sportwagen — Wertung zur DAHM Sprintrennen mit sehr engen Abständen
Interwetten Sports Cars Challenge (neu) Sportwagen und Prototypen bis in die jüngere Vergangenheit Debüt beim OGP, Doppelsieg für Christian Klien
Golden Ära Classic Cup Historische Porsche-Cup-Fahrzeuge Saisonhöhepunkt der zweiten Cup-Saison
Trophy Race for Ferrari Cars Ferrari-Rennwagen bis GT2 und GT3 Siege für 488 GT3 Evo und 458 GT3
GrabTheFlag! Historische Rennmotorräder bis Baujahr 1985 Ehrengast: Motorradlegende Helmut Dähne

Der Jubilar: 40 Jahre BMW M3

1986 brachte BMW den M3 auf Basis des E30 heraus — als Homologationsfahrzeug für die Gruppe A, gebaut, um Rennen zu gewinnen, und nebenbei zur wohl erfolgreichsten Tourenwagen-Baureihe der Marke geworden. Vier Jahrzehnte später bildete genau dieses Auto die Klammer des OGP-Wochenendes — was der Veranstalter im Vorfeld angekündigt hatte, steht in unserem Vorbericht.

In der Mercedes-AMG-Arena richteten die Veranstalter gemeinsam mit BMW Classic und den internationalen BMW Markenclubs das TOP-Markenclubtreffen aus, in dessen Zentrum das M3-Jubiläum stand. Angekündigt war die Präsentation von bis zu 150 Fahrzeugen — von frühen E30 ab 1986 bis zu aktuellen Generationen, inklusive Ausfahrten auf der Nordschleife. Für Besitzer war die Teilnahme über die eingeladenen BMW Clubs möglich. Wer die Entwicklungslinie des M3 einmal nicht im Buch, sondern in einer Reihe realer Autos sehen wollte, hatte hier drei Tage Zeit dafür.

Class One Revival: Alzen im eigenen Siegerauto

Der spannendste weiß-blaue Programmpunkt war eine Premiere. Das von BMW Classic präsentierte Class One Revival brachte DTM-Fahrzeuge der Klasse-1-Ära und der Folgegenerationen als Time-on-Track-Format auf den Grand-Prix-Kurs — kein Rennen, aber Demoläufe unter Volllast.

Blickfang war der BMW M3 GT2 auf E92-Basis von Schnitzer Motorsport, jenes Auto, das 2010 die 24 Stunden auf dem Nürburgring gewann. Am Steuer saß Uwe Alzen — und der hat mit genau diesem Fahrzeug seinerzeit gewonnen: Zusammen mit Jörg Müller, Augusto Farfus und Pedro Lamy brachte er die Startnummer 25 nach 154 Runden und trotz Kühler- und Getriebeproblemen ins Ziel. Es war der fünfte 24h-Gesamtsieg für Schnitzer und der 19. für BMW in der Eifel. Solche Konstellationen — Originalauto, Originalfahrer, Originalstrecke — sind selbst beim OGP die Ausnahme.

Ergänzt wurde das Feld durch das DTM-Meisterauto von Bruno Spengler aus der Saison 2012, gefahren von Dirk Adorf. Spengler holte damit den ersten DTM-Titel nach der BMW-Rückkehr in die Serie.

Schnitzer Classic: eine Werkstatt als Erzählform

Der emotionalste Teil des Wochenendes fand nicht auf der Strecke statt. Schnitzer Classic würdigte das Lebenswerk des in diesem Jahr verstorbenen Herbert Schnitzer und das Vermächtnis von Schnitzer Motorsport. Gezeigt wurden Fahrzeuge, die Motorsportgeschichte geschrieben haben: der Schnitzer BMW 2002 turbo, ein BMW 635 der Gruppe A und der M3 GT2.

Dazu kamen Talkrunden, in denen Podcaster Karsten Arndt mit Fahrern und Weggefährten über Jahrzehnte Schnitzer-Motorsport sprach — mit Altfrid Heger, Kris Nissen, Leopold Prinz von Bayern, Herbert Schnitzer jun. und Uwe Alzen. Die Runden fanden bei Besuchern wie Beteiligten großen Zuspruch; die Aufzeichnungen erscheinen nach dem Rennwochenende auf YouTube. Wer wissen will, wie aus einem Freilassinger Familienbetrieb der erfolgreichste Rennstall der 24h-Historie wurde, findet dort mehr Substanz als in jedem Datenblatt.

Wo die BMW auf der Strecke waren

Anders als bei einer modernen Werksmeisterschaft treten beim OGP fast ausschließlich private Eigner und spezialisierte Historik-Rennställe an. „Teams“ im heutigen Sinn gibt es nur wenige — mit Schnitzer Motorsport als prominenter Ausnahme, dessen Fahrzeuge im Class One Revival und in der Präsentation zu sehen waren. Die folgende Übersicht fasst die dokumentierten BMW-Einsätze zusammen; die vollständige Nennliste führt der Veranstalter.

Klasse Fahrzeug Fahrer / Einsatz Ergebnis / Rolle
DRM-Revival BMW M1 Procar Michael Kammermann Sieger beider Läufe
DRM-Revival BMW M1 Procar Roger Waber Jeweils Zweiter — zwei M1-Doppelsiege
DRM-Revival BMW 2002 und BMW 320 (Gruppe 5 bzw. Zweiliter) diverse Privatstarter Teil des Gruppe-5-Feldes
Tourenwagen Golden Ära BMW M3 E30 Kris Nissen Sieg am Sonntag, 0,308 s Vorsprung
Tourenwagen Golden Ära BMW M3 GTR (E36) Erik Qvick Zweiter am Sonntag
Tourenwagen Golden Ära BMW 635 CSi Gruppe A Altfrid Heger Im Starterfeld angekündigt
Super Touring Revival BMW Zweiliter-Supertourenwagen diverse Privatstarter Feld mit BMW, Opel und Audi
Class One Revival BMW M3 GT2 (E92), Schnitzer Motorsport Uwe Alzen Gesamtsieger 24h Nürburgring 2010
Class One Revival BMW M3 DTM, Meisterauto Bruno Spengler 2012 Dirk Adorf Time-on-Track-Präsentation
Schnitzer-Classic-Präsentation BMW 2002 turbo, BMW 635 Gruppe A, BMW M3 GT2 Standpräsentation und Talkrunden Hommage an Herbert Schnitzer

Das Duell des Wochenendes

Am Sonntag lieferte die Tourenwagen Golden Ära das Rennen, über das anschließend gesprochen wurde. Kris Nissen — 1991 selbst 24h-Sieger im Schnitzer-M3 E30 — gewann im BMW M3 E30 vor Erik Qvick im BMW M3 GTR auf E36-Basis. Der Abstand: 0,308 Sekunden. Zwei M3-Generationen, getrennt durch acht Jahre Entwicklung, im Ziel getrennt durch drei Zehntel. Am Vortag hatten Roland und Sebastian Asch das Rennen im Ford Sierra RS500 für sich entschieden — die alte Gruppe-A-Rivalität, unverändert scharf.

Der M1 als Publikumsmagnet

Im DRM-Revival dominierte Michael Kammermann beide Läufe im BMW M1 Procar, dahinter komplettierte Roger Waber im zweiten M1 jeweils den Doppelsieg. Der M1 ist dabei mehr als eine schöne Silhouette: 3,5-Liter-Reihensechszylinder, keinerlei elektronische Hilfen, ein Auto, das von seinem Fahrer körperlich etwas verlangt. Von außen sieht das souverän aus. Von innen ist es Arbeit — und genau diese Diskrepanz macht historischen Motorsport sehenswert.

Was BMW-Klassiker daraus mitnehmen

Hubertus Graf Dönhoff, auf dessen Initiative der Oldtimer-Grand-Prix in den siebziger Jahren entstand und der auch 2026 wieder das Abendrennen organisierte, hob einen Punkt hervor, der weit über den Nürburgring hinausweist: Der Generationenwechsel gelingt zunehmend, weil Eigentümer ihre wertvollen Fahrzeuge jüngeren Fahrern anvertrauen. Nur so bleibe historischer Motorsport lebendig.

Für die Klassiker-Szene ist das die eigentliche Botschaft des Wochenendes. Ein E30 M3, der im Trockenen steht, ist ein Vermögenswert. Ein E30 M3, der am Sonntagnachmittag um drei Zehntel kämpft, ist Motorsportgeschichte im Präsens. Christian Klien, der beide Läufe der neuen Interwetten Sports Cars Challenge gewann, brachte die Anziehungskraft des OGP auf eine einfache Formel: Hier sei alles „zum Anfassen nah“ — jeder verbinde mit bestimmten Autos eigene Erinnerungen, und alle seien aus demselben Grund da: aus Leidenschaft für den Motorsport.

Fazit

Für ein Publikum mit weiß-blauem Schwerpunkt war der 53. OGP einer der ergiebigsten Jahrgänge der letzten Jahre. Das M3-Jubiläum war kein aufgesetztes Marketingthema, sondern zog sich glaubwürdig durch das gesamte Wochenende: als Clubtreffen in der AMG-Arena, als Renngeschehen in der Tourenwagen Golden Ära, als Demoformat im Class One Revival und als Erinnerungsarbeit bei Schnitzer Classic. Dass ausgerechnet Uwe Alzen den 2010er-Siegerwagen wieder bewegte, war der Moment, den man sich als Redaktion nicht besser hätte ausdenken können.

Kritisch anzumerken bleibt: Das Class One Revival war ein Demoformat, kein Rennen. Wer die Klasse-1-Boliden im Zweikampf sehen will, muss weiter warten. Und die neuen Formate — Formula Heritage, Interwetten Sports Cars Challenge — verschieben den OGP spürbar in Richtung jüngerer Fahrzeuge. Das erschließt neues Publikum, kostet aber Streckenzeit, die früher den Vorkriegs- und Sechziger-Klassen gehörte. Für BMW-Klassiker ab der Neuen Klasse ist diese Verschiebung eher ein Vorteil.

Unterm Strich: 43.000 Besucher, volle Starterfelder, ein zufriedener Veranstalter und ein Namenspartner, der bis 2029 verlängert hat. Der OGP steht stabil da — und hat 2026 gezeigt, dass er BMW-Geschichte nicht nur ausstellen, sondern erzählen kann.

Ausblick: der 54. OGP im Jubiläumsjahr

Der 54. BELMOT Oldtimer-Grand-Prix ist für den 13. bis 15. August 2027 angekündigt. Das Datum steht unter einem besonderen Vorzeichen: 2027 feiert der Nürburgring seinen 100. Geburtstag. Der Veranstalter hat angekündigt, das Jubiläum als größtes Klassikevent der Strecke gebührend mitzufeiern — Hinweise auf mögliche Programmänderungen inklusive. Für die Jahresplanung heißt das: früh akkreditieren, früh buchen.

Quellen

Recherchestand: 14. August 2026. Alle Angaben nach den unten genannten Veröffentlichungen; Ergebnisse ohne Gewähr.

[1] BELMOT Oldtimer-Grand-Prix, Abschlussmitteilung „Starke Premieren und große Klassiker“ vom 9. August 2026 — https://oldtimergrandprix.com/2026/08/09/starke-premieren-und-grosse-klassiker-positive-bilanz-fuer-den-belmot-oldtimer-grand-prix/

[2] Oldtimer-Grand-Prix, Besucher- und Programminformationen zum 53. OGP (M3-Jubiläum, TOP-Markenclubtreffen, Termin 2027) — https://oldtimergrandprix.com/besucher/

[3] Pitlane News, Rennbericht „BELMOT Oldtimer-Grand-Prix 2026″ vom 11. August 2026 (Ergebnisse DRM Revival, Tourenwagen Golden Ära, Abendrennen) — https://www.pitlane-news.com/belmot-oldtimer-grand-prix-2026/

[4] Motorsport XL, „OGP 2026: Rennsport, Raritäten und Ring-Feeling“ (Class One Revival, Starterfelder) — https://www.motorsport-xl.de/news/2026/Automobilsport/OGP-2026-Rennsport-Raritaeten-und-Ring-Feeling-59974.html

[5] Motorsport XL, „Oldtimer-Grand-Prix mit vielen Höhepunkten auf dem Nürburgring“ (Schnitzer Classic, BMW Classic) — https://www.motorsport-xl.de/news/2026/Automobilsport/Oldtimer-Grand-Prix-mit-vielen-Hoehenpunkten-auf-dem-Nuerburgring-59656.html

[6] Nürburgring, News-Bereich zum BELMOT Oldtimer-Grand-Prix 2026 — https://nuerburgring.de/news/categories/avd-oldtimer-grand-prix

[7] Rheinische Anzeigenblätter, Bericht zum 53. BELMOT Oldtimer-Grand-Prix — https://www.rheinische-anzeigenblaetter.de/pulheim/c-nachrichten/53belmot-oldtimer-grand-prix_a377259

[8] AUTO BILD und bmwblog, Ergebnis und Fahrerbesetzung 24h Nürburgring 2010 (BMW M3 GT2, Startnummer 25) — https://www.autobild.de/artikel/endstand-24-stunden-rennen-2010-1181050.html

[9] ADAC RAVENOL 24h Nürburgring, Historie Schnitzer Motorsport und BMW M3 — https://24h-rennen.de/bmw-schnitzer-die-rueckkehr-der-rekordsieger

Bildnachweise