01 · Überblick
Ein Titel, 148 Autos
1988 gewann Roberto Ravaglia die Tourenwagen-Europameisterschaft auf einem M3. BMW legte darauf ein Sondermodell auf: den M3 Europameister, gebaut Ende 1988 in 148 Exemplaren. Die Zahl ist gut abgesichert: bmw-m.com nennt sie ausdrücklich, und die überlieferten Fahrgestellnummern summieren sich in sieben getrennten Teilbereichen auf genau 148 — eine so unrunde Struktur rechnet niemand rückwärts auf ein Wunschergebnis hin.
Technisch ist es ein Serien-M3 der Katalysatorversion mit dem S14B23 und 195 PS. Das Besondere liegt in der Ausstattung und in der Konsequenz, mit der sie durchgehalten wurde: Alle Wagen kamen in Macaoblau metallic, alle mit heller Vollederausstattung, und alle bekamen im Innenraum eine Plakette mit der Signatur Roberto Ravaglias und dem Schriftzug der BMW Motorsport GmbH. Die deutsche Wikipedia schreibt dazu „alle handsigniert von Roberto Ravaglia“ — das ist falsch. Die Unterschrift ist gedruckt, kein Wagen wurde persönlich signiert. Wir haben das an den Fahrzeugen selbst geprüft.
Der Wagen auf diesen Bildern ist die Nummer 061 von 148, erstzugelassen am 2. Dezember 1988. Er steht in unbearbeitetem Originalzustand, mit dokumentierter Historie ab 1994 — die Fotos zeigen also kein aufgehübschtes Ausstellungsstück, sondern ein Auto, das gefahren wurde.
Zur Einordnung: Der Europameister ist nicht mit dem Cecotto von 1989 zu verwechseln. Der kam ein Jahr später, hatte 215 PS und wurde in 505 Exemplaren gebaut. Der Europameister ist mit 148 Stück das deutlich seltenere Auto.
Und eine zweite Abgrenzung, weil Roberto Ravaglias Name doppelt auftaucht: Es gibt auch einen M3 Ravaglia — das ist die britische Ausgabe der Cecotto-Edition von 1989, 25 Rechtslenker. Der Europameister ist ein eigenes Sondermodell von 1988; seine Plakette trägt Ravaglias gedruckte Unterschrift, weil er in jenem Jahr die Tourenwagen-Europameisterschaft auf dem M3 gewann.
02 · Historie
Der Anlass
Warum es dieses Auto gibt.
- 1987 Ravaglia gewinnt die einmalig ausgetragene Tourenwagen-Weltmeisterschaft — den Fahrertitel, mit 269 gegen 268 Punkten. Den Teamtitel holt Eggenberger auf Ford Sierra.
- 1988 Ravaglia gewinnt die Tourenwagen-Europameisterschaft. BMW legt daraufhin den M3 Europameister auf: 148 Stück, Macaoblau metallic, Plakette mit seiner Signatur.
- 1989 Es folgen die Sondermodelle Cecotto (505 Stück) und Ravaglia (25 Stück für Großbritannien), beide mit 215 PS. Ravaglia gewinnt in diesem Jahr die DTM.
- 1990 Mit dem Sport Evolution und 238 PS endet die Reihe der M3-Sondermodelle.
03 · Modellübersicht
Die M3-Sondermodelle im Vergleich
Vier Sondermodelle in drei Jahren. Der Europameister ist das seltenste davon nach der Ravaglia-Edition.
Quelle: Werks- und Literaturangaben · geprüft
Technische Daten anzeigen — komplette Modellmatrix
| Modell | Motor | Hubraum | Leistung | Bauzeit |
|---|---|---|---|---|
| M3 Europameister | S14B23 mit Kat | 2.302 cm³ | 195 PS (143 kW) | Ende 1988, 148 Stück |
| M3 Evolution | S14B23 | 2.302 cm³ | 200 PS (147 kW) | 1987, 505 Stück |
| M3 Evolution II | S14B23 | 2.302 cm³ | 220 PS (162 kW) | 1988, rund 500 Stück |
| M3 Cecotto | S14B23 mit Kat | 2.302 cm³ | 215 PS (158 kW) | 1989, 505 Stück |
| M3 Ravaglia | S14B23 mit Kat | 2.302 cm³ | 215 PS (158 kW) | 1989, 25 Stück für Großbritannien |
| M3 Sport Evolution | S14B25 | 2.467 cm³ | 238 PS (175 kW) | 1990, 600 Stück |
04 · Im Detail
Im Detail
Coupé, Macaoblau metallic

Die einzige Ausführung. Karosserie und Technik entsprechen dem Serien-M3 der Katalysatorversion: verbreiterte Kotflügel, eigene Schürzen, angehobener Kofferraumdeckel aus glasfaserverstärktem Kunststoff, flacher gestellte Heckscheibe, fünf Radbolzen.
Innenraum

Helle Vollederausstattung — der 3er-Club E21 und E30 e.V. nennt sie „silbern", der Wagen auf diesen Bildern hat erweitertes Nappa-Leder in Grau. Dazu M-Technic-Lenkrad und M-Technic-Innenspiegel. Im Innenraum sitzt die Plakette mit der gedruckten Signatur Roberto Ravaglias und dem Schriftzug der BMW Motorsport GmbH.
05 · Motoren
Der S14B23 mit Katalysator
Kein eigener Motor, sondern die reguläre Katalysatorversion des M3 — 195 PS. Die 215 PS kamen erst 1989 mit dem Cecotto und wurden danach in die Serie übernommen.
S14B23 · 2.302 cm³ · 195 PS geprüft
Vierzylinder mit vier Ventilen je Zylinder, zwei obenliegenden Nockenwellen und Saugrohreinspritzung. Block aus der M10-Familie, Zylinderkopf in der Konstruktionslinie des Sechszylinder-M88. Bohrung 93,4 mm, Hub 84,0 mm, Verdichtung 10,5:1. Mit Katalysator leistet er 195 PS bei 6.750/min und 230 Nm bei 4.750/min. Ohne Kat waren es 200 PS — die Kat-Version kostete also 5 PS. Ab September 1989 hob BMW die Leistung der Kat-Version auf 215 PS an; der Europameister von Ende 1988 liegt noch davor.
Technische Daten anzeigen
| Bauart | Reihenvierzylinder S14, vier Ventile je Zylinder, zwei obenliegende Nockenwellen |
| Hubraum | 2.302 cm³ |
| Bohrung × Hub | 93,4 × 84,0 mm |
| Verdichtung | 10,5:1 |
| Leistung | 195 PS (143 kW) bei 6.750/min |
| Drehmoment | 230 Nm bei 4.750/min |
| Abgasreinigung | geregelter Katalysator |
| Getriebe | Getrag 265/5 mit Dogleg-Schaltbild |
| Achsübersetzung | 3,25:1 mit Sperrdifferenzial |
Quellen: BMW Group Classic, Wikipedia DE (BMW S14), Wikipedia DE und EN zum M3 (E30).
06 · Schwachstellen
Worauf es bei diesem Sondermodell ankommt
- Die Plakette entscheidet. Ohne sie und ohne passende Dokumentation ist ein macaoblauer M3 mit hellem Leder erst einmal nur ein macaoblauer M3 mit hellem Leder.
- Farbe und Innenausstattung sind Teil der Identität. Ein umlackierter oder neu bezogener Europameister verliert genau das, was ihn ausmacht.
- Ansonsten gelten die Punkte des Serien-M3: Originalität der M3-spezifischen Karosserieteile, Rost an den bekannten E30-Stellen, lückenlose Wartungshistorie beim hochdrehenden S14.
- Modellspezifische technische Schwachstellen des Europameisters ließen sich nicht belegen — es gibt keine. Er ist ein Serien-M3 mit besonderer Ausstattung.
07 · Technik
Fahrwerk, Bremsen, Getriebe
Karosserie und Maße
Getriebe und Achse
Bremsen
Räder
Technische Daten — Achsübersetzungen & Getriebe
- Stückzahl
- 148
- Bauzeit
- Ende 1988
- Lackierung
- Macaoblau metallic
- Motor
- S14B23 mit geregeltem Katalysator
- Leistung
- 195 PS (143 kW) bei 6.750/min
- Drehmoment
- 230 Nm bei 4.750/min
- Getriebe
- Getrag 265/5 mit Dogleg-Schaltbild
- Achsübersetzung
- 3,25:1 mit Sperrdifferenzial
- Bremsen vorn
- innenbelüftete Scheiben 280 mm
- Bremsen hinten
- massive Scheiben 282 mm
- Radbolzen
- fünf
- Länge
- 4.346 mm
- Breite
- 1.680 mm
- Höhe
- 1.370 mm
- Radstand
- 2.562 mm
- Kennzeichen im Innenraum
- Plakette mit der gedruckten Signatur Roberto Ravaglias, BMW Motorsport GmbH
- Nicht belegbar und deshalb nicht aufgeführt
- Preis bei Markteinführung, die genaue Werksbezeichnung der Innenausstattung, die ab Werk montierte Felgengröße. BMW Group Classic und der PressClub führen zu diesem Sondermodell nichts.
08 · Identifikation
Identifikation
Der Europameister ist über Farbe, Plakette und Baujahr gut einzugrenzen.
- Lackierung
- ausnahmslos Macaoblau metallicgeprüft
- Plakette
- Mittelkonsole mit gedruckter Ravaglia-Signatur und Nummer von 148geprüft
- Motor
- S14B23 mit Katalysator, 195 PS — kein 215-PS-Motorgeprüft
- Erstzulassungen
- ab Ende 1988plausibel
- Nicht verwechseln
- Ravaglia Edition 1989 = britische Cecotto-Ausgabe, eigenes Modellgeprüft
09 · Andere Sondermodelle
Andere Sondermodelle
Weiter im Thema.
M3 mit Evolutionsmotor („Evolution“, 1987)
200 PS, äußerlich Serienstand — die stille Homologationsstufe vom Frühjahr 1987.
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M3 Evolution II (1988)
220 PS und erstmals eigene Aerodynamik, 500 Stück in drei Farben.
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M3 Cecotto (1989)
505 Stück mit Cecotto-Signatur, 215 PS mit Katalysator.
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M3 Ravaglia (1989)
Die britische Ausgabe der Cecotto-Edition, 25 Rechtslenker.
Zur Unterseite →
M3 Sport Evolution (1990)
2,5 Liter, 238 PS, verstellbare Spoiler — der Schlusspunkt der Baureihe.
Zur Unterseite →
10 · M GmbH
Ein Sondermodell als Trophäe
Der Europameister gehört zu einer kleinen Gruppe von M-Modellen, deren Existenzgrund kein technischer ist, sondern ein sportlicher. Es gab nichts Neues zu homologieren und keine Leistung zu steigern — der Wagen markiert einen Titel. Genau deshalb ist die Plakette wichtiger als jedes Datenblatt.

11 · Motorsport
Ravaglias Jahr
1988 gewann Roberto Ravaglia auf dem M3 die Tourenwagen-Europameisterschaft. Es war seine dritte große Saison in Folge mit dem Auto: 1987 hatte er den Fahrertitel der einmalig ausgetragenen Tourenwagen-Weltmeisterschaft geholt, 1989 folgte die DTM.
Eine Einordnung, die zur Genauigkeit gehört: Die Weltmeisterschaft 1987 entschied Ravaglia mit 269 gegen 268 Punkten für sich — den Titel für die Teams gewann Eggenberger Motorsport auf Ford Sierra Cosworth. Die pauschale Aussage „BMW gewann 1987 die WM“ ist deshalb ungenau.
12 · Kaufberatung
Worauf es ankommt: Identität vor Zustand
Bei einem Serienauto prüft man zuerst das Blech. Bei einem Sondermodell mit 148 Exemplaren prüft man zuerst, ob es wirklich eines ist.
Plakette im Innenraum mit Signatur und dem Schriftzug der BMW Motorsport GmbH — vorhanden, original, unbeschädigt?
Lackierung Macaoblau metallic, im Idealfall belegt durch den Farbaufkleber im Motorraum.
Helle Vollederausstattung im Originalzustand.
Dann erst die üblichen E30-Punkte: Knotenbleche hinter den Vorderrädern, Batteriekasten, hintere Radläufe, Schweller, Kofferraumboden, Frontscheibenrahmen.
M3-spezifische Karosserieteile auf Originalität prüfen: breite C-Säule, flache Heckscheibe, angehobener Kofferraumdeckel, fünf Radbolzen.
Wartungshistorie des S14 — bei einem hochdrehenden Motor ist sie Bewertungsgrundlage, nicht Bonus.
Die Reihenfolge lautet: erst Plakette und Papiere, dann Farbe und Leder, dann Blech, dann Technik. Ein Europameister ohne Plakette ist ein guter M3 — aber kein Europameister.
13 · Die Konkurrenz
Die Konkurrenz
Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 Evolution
Die Antwort aus Stuttgart auf dieselbe Rennserie, ebenfalls in 500 Exemplaren. Anders als der Europameister ist sie ein echtes Homologationsmodell mit technischen Änderungen, nicht ein Serienauto mit besonderer Ausstattung.
BMW M3 Cecotto
Ein Jahr jünger, 215 statt 195 PS, mit Anleihen beim Evolution II — und mit 505 Exemplaren gut dreimal so häufig. Wer die stärkere Maschine will, nimmt den Cecotto; wer die Seltenheit will, den Europameister.
Ford Sierra RS500 Cosworth
Der Gegner, gegen den die Titel gefahren wurden. Turboaufladung statt Saugmotor, 227 PS in der Serie, und auf der Rennstrecke der eigentliche Maßstab dieser Jahre.
14 · Galerie
Bilder
Europameister Nummer 061 von 148 in Macaoblau metallic, unrestaurierter Originalzustand. Eigene Aufnahmen.










15 · Quellen
Belege & Literatur
Leitquellen sind BMW Group Classic, der BMW PressClub und Wikipedia. Zu diesem Sondermodell führen BMW Group Classic und der PressClub allerdings nichts; die Angaben zu Farbe, Innenausstattung und Stückzahl stützen sich auf Wikipedia DE und den BMW 3er-Club E21 und E30 e.V., die unabhängig voneinander übereinstimmen. Angaben zum abgebildeten Fahrzeug stammen aus unserer eigenen Dokumentation.