Modelle & Technik · Baureihe E30 (Z)

BMW Z1

Ein Technologieträger, der versehentlich in Serie ging. 8.000 Stück, die Außenhaut abschraubbar, die Türen fahren in die Schweller.

BMW Z1 in Rot, Frontansicht schräg von rechts
Der Z1 entstand nicht in der Produktplanung, sondern in der BMW Technik GmbH — als fahrbarer Technologieträger, der dann doch in Serie ging.Lizenziert · Lothar Spurzem · CC BY-SA 2.0 de

Bauzeit

1989–1991

Vorstellung IAA September 1987, Serienfertigung ab 1989, letzter Wagen Juni 1991

Stückzahl

8.000

Handarbeit, anfangs höchstens sechs Wagen am Tag

Motor

M20B25 · 170 PS

2.494 cm³, 222 Nm bei 4.300/min, Frontmittelmotor hinter der Vorderachse

Werkscode

E30 (Z)

Technisch ein E30 — Motor, Getriebe und Vorderachse stammen aus der Baureihe

Preis

ab 80.000 DM

Die Quellen nennen 80.000 DM und 83.000 DM zum Start, später 89.000 DM

01 · Überblick

Ein Technologieträger, der in Serie ging

Der Z1 war nicht als Produkt geplant. Die 1985 gegründete BMW Technik GmbH sollte frei von Serienterminen arbeiten und Lösungen für die Zukunft entwickeln — das Z im Namen steht für Zukunft. Unter Ulrich Bez entstand ein fahrbarer Versuchsträger, in dem so viele neue Ideen steckten, dass BMW ihn im September 1987 auf der IAA zeigte. Die Reaktion war so heftig, dass aus dem Demonstrator eine limitierte Serie wurde.

Unter der Kunststoffhaut sitzt Technik aus dem E30: der Sechszylinder M20B25 mit 170 PS, das Getrag-Getriebe, die Vorderachse. Der Werkscode lautet folgerichtig E30 (Z). Neu sind das am Stück feuerverzinkte Stahlchassis, der glatte Unterboden mit Diffusorwirkung, die Zentrallenker-Hinterachse — und die Türen, die elektrisch in die Schweller fahren.

Gebaut wurde in Handarbeit, anfangs höchstens sechs Wagen am Tag. Nach 8.000 Exemplaren war im Juni 1991 Schluss. Ein schneller Sportwagen war der Z1 nie: 170 PS auf 1.250 Kilogramm reichen für 225 km/h. Er war auch nie als solcher gemeint.

02 · Historie

Von der Denkfabrik in die Serie

Die Entstehung in sieben Stationen.

  1. 1985 BMW gründet die BMW Technik GmbH in München. Rund hundert Mitarbeiter sollen ohne Serientermine an Fahrzeugkonzepten arbeiten. Leiter ist Ulrich Bez.
  2. 1986 Der erste fahrfähige Prototyp entsteht. Für das Design zeichnet Harm Lagaay verantwortlich.
  3. 1987 Vorstellung auf der IAA in Frankfurt im September. Der Wagen ist als Technologieträger deklariert, nicht als Serienmodell.
  4. 1988 Nach hoher Nachfrage entscheidet BMW die Kleinserie. Vorserienwagen entstehen; die Quellen datieren den Beginn unterschiedlich.
  5. 1989 Serienfertigung in Handarbeit, anfangs höchstens sechs Wagen am Tag. Verkaufspreis rund 80.000 Mark.
  6. 1990 Alpina legt die Roadster Limited Edition auf: 2.693 cm³, 200 PS, 116.000 Mark.
  7. 1991 Im Juni läuft der letzte Z1 vom Band. Insgesamt 8.000 Fahrzeuge.

03 · Modellübersicht

Z1 und Alpina RLE

Zwei Ausbaustufen, mehr gab es nicht. Die Stückzahl der Alpina RLE stammt aus Alpina-Literatur und ist nicht werksseitig bestätigt.

Technische Daten anzeigen — komplette Modellmatrix
Modell Motor Hubraum Leistung Bauzeit
BMW Z1 M20B25 2.494 cm³ 170 PS (125 kW) 1989–1991, 8.000 Stück
BMW Alpina RLE Alpina C2/6 2.693 cm³ 200 PS (147 kW) 1990–1991, 66 Stück

04 · Karosserievarianten

Karosserievarianten

Roadster

BMW Z1 in Silber, Frontansicht schräg von links
Aerodynamik ohne Spoiler: flache Nase, 62 Grad Scheibenneigung, glatter Unterboden und ein Heck, das die Luft wie ein Diffusor führt.Lizenziert · dave_7 · CC BY 2.0

Es gab nur eine Karosserie: den zweisitzigen Roadster mit Stoffverdeck. Die nicht tragenden Außenteile aus Thermoplast sind mit dem Chassis verschraubt und lassen sich abnehmen. Ein kompletter Wechsel der Außenhaut ist damit möglich — BMW sprach von theoretisch einer knappen Stunde.

05 · Motoren

Der M20B25

Kein eigener Motor, sondern der bekannte kleine Sechszylinder aus dem 325i — allerdings vollständig hinter der Vorderachse eingebaut.

M20B25 · 2.494 cm³ · 170 PS geprüft

Bohrung 84,0 mm, Hub 75,0 mm, Verdichtung 8,8:1. 170 PS bei 5.800/min und 222 Nm bei 4.300/min. Bosch Motronic mit geregeltem Katalysator. Der Motor sitzt vollständig hinter der Vorderachse, wodurch die Gewichtsverteilung nahe an 50 zu 50 liegt. Kraftübertragung über ein Getrag-Fünfganggetriebe auf die Hinterachse. Ein Sperrdifferenzial gehörte nicht zum Lieferumfang — wer eines im Wagen findet, hat ein nachgerüstetes.

Technische Daten anzeigen
BauartReihensechszylinder M20, zwei Ventile je Zylinder, obenliegende Nockenwelle, Zahnriemenantrieb
Einbaulagelängs, vollständig hinter der Vorderachse (Frontmittelmotor)
Hubraum2.494 cm³
Bohrung × Hub84,0 × 75,0 mm
Verdichtung8,8:1
Leistung125 kW (170 PS) bei 5.800/min
Drehmoment222 Nm bei 4.300/min
GemischaufbereitungBosch Motronic, geregelter Katalysator
GetriebeGetrag-Fünfganggetriebe, Achsübersetzung 3,64:1
Höchstgeschwindigkeit225 km/h
0–100 km/h7,9 s
Verbrauch9,2 l/100 km nach Norm, Super 91 ROZ

Datentabelle Wikipedia DE zum BMW Z1, abgeglichen mit den M20-Werksdaten

Alpina C2/6 · 2.693 cm³ · 200 PS plausibel

Für die Roadster Limited Edition bohrte Alpina den M20 auf 2.693 cm³ auf: 84,0 mm Bohrung bei 81,0 mm Hub. 200 PS bei 6.000/min und 261 Nm bei 4.900/min, 231 km/h, 0 auf 100 in 7,1 Sekunden. Der Aufpreis war erheblich — 116.000 Mark gegenüber rund 80.000 für den Serien-Z1. Die kursierende Stückzahl von 66 Wagen stammt aus Alpina-Literatur und ist nicht werksseitig bestätigt.

Technische Daten anzeigen
Hubraum2.693 cm³
Bohrung × Hub84,0 × 81,0 mm
Leistung147 kW (200 PS) bei 6.000/min
Drehmoment261 Nm bei 4.900/min
Höchstgeschwindigkeit231 km/h
0–100 km/h7,1 s
Verbrauch10,5 l/100 km nach Norm, Super 91 ROZ
Verkaufspreis 1989116.000 DM

Datentabelle Wikipedia DE zum BMW Z1, Spalte BMW-Alpina RLE

06 · Schwachstellen

Zuverlässigkeit & Schwachstellen

  • Der Türmechanismus ist das aufwendigste Bauteil am Auto. Zahnriemen, Umlenkrollen und Elektromotoren verschleißen, Feuchtigkeit im Schweller beschleunigt das. Eine Tür, die hakt oder nicht ganz schließt, ist ein Kostenpunkt, kein Detail.
  • Die Kunststoffteile verziehen sich nicht, aber der Lack darauf reagiert anders als auf Blech. Spannungsrisse und abweichender Glanz zwischen Klappen und Seitenwänden sind typisch und kein Unfallschaden.
  • Der Zahnriemen des M20 ist ein Wartungspunkt mit festem Intervall. Wird er versäumt, ist der Motorschaden die Folge.
  • Die Elektrik rund um Türsteuerung und Verdeck ist eigenständig konstruiert. Teile dafür stammen nicht aus dem E30-Regal und sind entsprechend schwerer zu beschaffen.

07 · Technik

Chassis

Außenhaut

Türen

Aerodynamik und Fahrwerk

Die sechs Lackierungen

Widersprüche in den Quellen

Technische Daten — Achsübersetzungen & Getriebe

Länge
3.921 mm
Breite
1.690 mm
Höhe
1.277 mm
Radstand
2.400 mm
Leergewicht
1.250 kg
Tankinhalt
58 Liter
Getriebe
Getrag-Fünfganggetriebe
Achsübersetzung
3,64:1
Sperrdifferenzial
nicht lieferbar
Vorderachse
Federbeine mit Querlenkern, Basis E30
Hinterachse
Zentrallenkerachse, sogenannte Z-Achse
Bremsen vorn
260 mm, innenbelüftet
Bremsen hinten
258 mm, massiv
Chassis
Stahlblech, am Stück feuerverzinkt
Außenhaut
Thermoplast, verschraubt; Klappen aus GFK

08 · BMW Technik GmbH

Die Abteilung, die den Z1 erfunden hat

Die BMW Technik GmbH wurde 1985 als Tochtergesellschaft gegründet und bewusst außerhalb der Serienentwicklung angesiedelt: eigener Standort, eigenes Budget, keine Modelltermine. Rund hundert Leute sollten Konzepte bauen, nicht Autos verkaufen.

Der Z1 war das erste Projekt, das diese Werkstatt verließ. Vieles daran blieb im Konzern: Die Zentrallenkerachse wanderte in den E36, das feuerverzinkte Chassis wurde zum Standard. Und das Z wurde zum Namensbestandteil einer ganzen Modellreihe — Z3, Z4, Z8.

BMW Z1 mit in den Schweller abgesenkter Tür
Das Erkennungsmerkmal: Die Türen fahren elektrisch in die Schweller. Zwei Elektromotoren und ein Zahnriemen bewegen sie, eine Notbetätigung ist vorhanden.Lizenziert · dave_7 from Lethbridge, Canada · CC BY-SA 2.0

09 · Kaufberatung

Worauf es ankommt: die Türen

Bei 8.000 gebauten Wagen ist der Z1 kein seltenes Auto, aber ein technisch eigenwilliges. Der Zustand entscheidet sich an drei Stellen: Türmechanik, Schweller, Verdeck. Der Motor ist der unproblematischste Teil.

Beide Türen mehrfach vollständig auf- und abfahren lassen. Ruckeln, Nachlaufen oder ein Anschlag, der nicht sauber erreicht wird, deutet auf Zahnriemen oder Umlenkung. Das ist der teuerste Punkt am Auto.

Schwellerinnenräume prüfen. Dort sammelt sich Wasser, wenn die Ablaufkanäle verstopft sind — und dort läuft die Türmechanik.

Das Chassis ist feuerverzinkt und rostet kaum. Wo die Verzinkung beschädigt wurde, nach Unfällen oder an nachgebohrten Löchern, geht es dafür schnell. Reparaturstellen am Chassis genau ansehen.

Verdeck und Verdeckkasten kontrollieren. Ersatzverdecke sind lieferbar, aber teuer.

Belege für den letzten Zahnriemenwechsel verlangen. Ohne Nachweis ist der Wechsel einzupreisen.

Die Reihenfolge lautet: erst die Türen, dann das Chassis, dann der Motor. Wer beim Z1 am Türmechanismus spart, zahlt später doppelt.

10 · Die Konkurrenz

Die Konkurrenz

Porsche 944 S2 Cabriolet

1989 in ähnlicher Preisregion und mit 211 PS klar schneller. Konventionell gebaut — und genau deshalb der pragmatischere Sportwagen.

Mercedes-Benz SL (R129)

Ab 1989 der neue Maßstab beim offenen Wagen: Überrollbügel, Hardtop, viel Gewicht, viel Komfort. Der Gegenentwurf zum Z1 in jeder Hinsicht.

Mazda MX-5 (NA)

Zeitgleich erschienen, für ein Drittel des Preises. Der MX-5 traf den Markt, den der Z1 gar nicht bedienen wollte.

11 · Galerie

Bilder

Sechs Lackierungen, versenkte Türen, der Sechszylinder aus dem 325i.

BMW Z1 in Rot, Frontansicht schräg von rechts
Der Z1 entstand nicht in der Produktplanung, sondern in der BMW Technik GmbH — als fahrbarer Technologieträger, der dann doch in Serie ging.Lizenziert · Lothar Spurzem · CC BY-SA 2.0 de
BMW Z1 mit in den Schweller abgesenkter Tür
Das Erkennungsmerkmal: Die Türen fahren elektrisch in die Schweller. Zwei Elektromotoren und ein Zahnriemen bewegen sie, eine Notbetätigung ist vorhanden.Lizenziert · dave_7 from Lethbridge, Canada · CC BY-SA 2.0
BMW Z1 in Silber, Frontansicht schräg von links
Aerodynamik ohne Spoiler: flache Nase, 62 Grad Scheibenneigung, glatter Unterboden und ein Heck, das die Luft wie ein Diffusor führt.Lizenziert · dave_7 · CC BY 2.0
BMW Z1 in Rot, Heckansicht schräg von rechts
Der Endschalldämpfer ist als Strömungskörper geformt und Teil des Aerodynamikkonzepts — nicht nur ein Auspuff.Lizenziert · Niels de Wit from Lunteren, The Netherlands · CC BY 2.0
Grüner BMW Z1 in Seitenansicht
Urgrün war mit 2.041 Wagen die dritthäufigste der sechs Lackierungen.Lizenziert · Niels de Wit from Lunteren, The Netherlands · CC BY 2.0
Schwarzer BMW Z1 mit geschlossenem Verdeck
Traumschwarz, hier mit geschlossenem Verdeck. 2.301 Z1 verließen das Werk in dieser Farbe.Lizenziert · Kieran White from Manchester, England · CC BY 2.0
BMW Z1 in Rot, Frontansicht
Toprot war mit 3.102 Exemplaren die häufigste der sechs Lackierungen. Am seltensten ist Fungelb mit 135 Wagen.Lizenziert · Niels de Wit from Lunteren, The Netherlands · CC BY 2.0
Innenraum eines BMW Z1 mit Lenkrad, Mitteltunnel und Sitzen
Der Innenraum bleibt betont schlicht. Bei versenkten Türen liegt die Gürtellinie sehr niedrig, eingestiegen wird über den breiten Schweller.Lizenziert · dave_7 · CC BY-SA 2.0
Sechszylinder-Motor M20B25 im Motorraum eines BMW Z1
Der M20B25 stammt aus dem 325i und leistet 170 PS bei 5.800 Umdrehungen. Er sitzt weit hinten und tief im Vorderwagen.Lizenziert · dave_7 · CC BY-SA 2.0

12 · Quellen

Belege & Literatur

Leitquellen sind die Datentabellen der deutschsprachigen Wikipedia und die Bildbeschreibungen auf Wikimedia Commons. Die Farbaufteilung stammt aus der Registerarbeit der Szene; sie summiert sich exakt auf 8.000 und ist damit plausibel, aber nicht werksseitig bestätigt.

Die Freitags-Mail

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