Häufig gesucht:Popular searches: E30 M3 Alpina 2002 turbo CSL

Gruppe A in den Dünen Tourenwagen Legenden in Zandvoort

Von
Weißer BMW 635 CSi Gruppe A Tourenwagen mit BMW-Motorsportstreifen in Fahrt

Lizenziert · Matthew Lamb · CC BY-SA 2.0

Die TOURENWAGEN LEGENDEN beim Zandvoort Historic Grand Prix: 42 Starter, sechs Klassen — und ein 82-jähriger BMW-Fahrer, der dem ganzen Fahrerlager die Show stiehlt

Es gibt Momente, in denen historischer Motorsport aufhört, eine Ausstellung zu sein. Einer davon ereignete sich am Samstagabend kurz nach 18.10 Uhr auf dem Dünenkurs von Zandvoort, als sich ein BMW M3 E30 an einen Porsche 911 der Generation 964 heranarbeitete. Am Steuer des M3: Harald Grohs, 82 Jahre alt, BMW-Urgestein mit mehr als 60 bestrittenen 24-Stunden-Rennen. Am Ende des Rennens stand ein Klassensieg — und der Beweis, dass die Gruppe-A-Ära nicht museal geworden ist.

Der Rahmen: das größte Historik-Wochenende der Niederlande

Der Zandvoort Historic Grand Prix fand vom 19. bis 21. Juni 2026 statt und gilt als größtes historisches Motorsport-Event der Niederlande. Auf dem 4,259 Kilometer langen Kurs mit 14 Kurven traten neben den TOURENWAGEN LEGENDEN unter anderem die Serien von Masters Historic Racing, die Historic Grand Prix Cars, die Formula-2- und Formula-3-Classic-Interseries, das F3-500-CC-Championat sowie die NK HARC 82-90 des mitveranstaltenden niederländischen Clubs HARC an. Dazu kamen Clubparaden, Regelmäßigkeitsläufe und ein Concours.

Eine offizielle Besucherzahl für die Ausgabe 2026 haben Veranstalter und Circuit bis Redaktionsschluss nicht veröffentlicht — anders als etwa beim Nürburgringer Oldtimer-Grand-Prix gibt es hier keine belastbare Zahl. Dokumentiert ist dagegen die mediale Wirkung des Tourenwagen-Auftritts: Die Serie zählte rund 138.000 kumulierte Instagram- und Facebook-Aufrufe im Zusammenhang mit dem Wochenende, verteilt auf 14 Veröffentlichungen — ohne die parallel entstandene Video-Reportage, für die ein fünfköpfiges Produktionsteam vor Ort war.

42 Starter, sechs Klassen — die Struktur

Für die TOURENWAGEN LEGENDEN war Zandvoort das dritte von fünf Rennwochenenden der Saison 2026 und nach dem Auftritt im Rahmen des 24-Stunden-Rennens am Nürburgring das zweite große Highlight. Gemeldet waren 42 Teilnehmer, das Starterfeld war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Gefahren wurden zwei Sprintrennen über je 25 Minuten: Freitag um 16.20 Uhr, Samstag um 18.10 Uhr.

Die Serie hat ihre Klassenstruktur zur Saison 2026 überarbeitet. Promoter Thorsten Stadler hat die Klassen 1 bis 3 konsequent am Zeitstrahl der DTM ausgerichtet; die Klassen 4 und 5 sind für Teilnehmer gedacht, die keinen DTM-Tourenwagen besitzen.

Klasse Zulassung In Zandvoort
Klasse 1 DTM- und ITC-Originalfahrzeuge der Jahrgänge 1993–1996 sowie 2000–2009 Nur verifizierte Originale mit dokumentierter Historie. In Zandvoort zwei Klasse-1-Mercedes-Benz.
Klasse 2 DTM-Tourenwagen 1989 bis Letztstand 1992 (Evolutionsära) Vier Starter in Zandvoort, Klassensieg ging an ein niederländisches Duo.
Klasse 3 Gruppe-A-Tourenwagen ab Homologationsjahr 1982, vor den Evo-Modellen Die BMW-Klasse: 635 CSi, M3 mit 2,3 Litern, 325i E30. Elf Starter — das stärkste Feld des Wochenendes.
Klasse 4 Tourenwagen und einzelne GT bis 3.300 ccm (2026 neu formatiert) Zugeschnitten u. a. auf BMW 3er mit 3.201-ccm-Sechszylindern; dazu Porsche 964 Carrera Cup.
Klasse 5 Offene Klasse über 3.300 ccm, Tourenwagen und GT Hier startete der dp-Porsche 935 II turbo von Mike Torwesten.
Klasse 6 Originale Porsche-Cup-Fahrzeuge der Baureihen 993, 996 und 997 Gen 1 Eigenes Klassement für den Markenpokal-Nachwuchs der Serie.

Die Zusammensetzung des Feldes: zwei V8STAR-Fahrzeuge, zwei Klasse-1-Originale von Mercedes-Benz, neun Porsche — und 15 klassische Gruppe-A-Tourenwagen, verteilt auf vier Starter in Klasse 2 und elf in Klasse 3. Für ein Magazin mit Schwerpunkt auf den klassischen BMW-Baureihen ist damit das Wesentliche gesagt: Der zahlenmäßig größte Block des Wochenendes bestand aus genau jenen Autos, über die wir schreiben.

Die BMW-Perspektive: warum Klasse 3 der Kern ist

Klasse 3 ist für unsere Leserschaft die interessanteste Kategorie der Serie. Zugelassen sind Gruppe-A-Tourenwagen ab dem Homologationsjahr 1982 — also die Ära vor den ab 1989 dominierenden Evolutionsmodellen. Die Serie nennt als typische Vertreter das BMW 635 CSi Coupé, den 1987 für die Gruppe A homologierten M3 mit 2.300 ccm und den BMW 325i E30, dazu Sparringspartner wie Rover Vitesse, Opel Kadett GSi 16V und den frühen Mercedes-Benz 190 E 2.3-16.

Das ist keine willkürliche Auswahl. Als am 11. März 1984 im belgischen Zolder die Deutsche Produktionswagen-Meisterschaft — die Vorläuferin der DTM — ihren Einstand feierte, dominierte das BMW 635 CSi Coupé das Geschehen. Klasse 3 holt genau diesen Zustand zurück, mit weniger aufwändig aufgebauten Fahrzeugen und entsprechend niedrigerer Einstiegshürde. Wer einen soliden E30 oder ein 635er-Coupé hat, kann hier realistisch antreten — das ist der eigentliche Reiz.

Bemerkenswert ist auch die 2026 neu formatierte Klasse 4 bis 3.300 ccm. Sie ist ausdrücklich mit Blick auf den Markt entstanden: BMW der 3er-Reihe mit 3.201-ccm-Sechszylindern werden nach Angaben der Serie von immer mehr Sportfreunden aufgebaut, weshalb man ihnen eine eigene, fair abgegrenzte Klasse gegeben hat. Für Leser, die über einen Rennaufbau nachdenken, ist das die relevanteste Regeländerung des Jahres.

Wer mit welchem BMW am Start war

Wie bei fast allen Historik-Serien handelt es sich überwiegend um privat getragene und finanzierte Einsätze; klassische Werksteams gibt es nicht. Prägend sind stattdessen kleine Einsatzmannschaften und Fahrzeugeigner. Die folgende Übersicht fasst die dokumentierten BMW-Einsätze zusammen — die vollständige Nennliste führt der Serienveranstalter.

Klasse Fahrzeug Fahrer Team / Einsatz Ergebnis
Klasse 3 BMW M3 E30 Harald „Nippel“ Grohs (82) Team Heinz F. Pott, Beckum (amtierendes Meisterteam) Rennen 1: Rang 3 in der Klasse · Rennen 2: Klassensieg
Klasse 4 BMW M3 E36 Donald Molenaar (NL) KK Automobile GmbH, Fahrzeug von Sven-Maik Krüger Bestzeit in beiden Qualifyings · Rennen 2: Gesamtrang 2
Klasse 3 Gruppe-A-Tourenwagen, darunter mehrere BMW diverse Privatstarter überwiegend privat getragene Einsätze Elf Starter; Klassenbester der Saison bis dahin: Christer Simonsen
Klasse 4 BMW (Klasse-4-Fahrzeug) Marcus Weege (AT) Duller Nicht in Zandvoort am Start — dadurch Verlust der Tabellenführung

Donald Molenaar: Heimspiel mit Ansage

Der schnellste BMW-Pilot des Wochenendes war ein Einheimischer. Donald Molenaar fuhr im BMW M3 E36 der KK Automobile GmbH — dem Fahrzeug von Sven-Maik Krüger — im ersten Qualifying am Freitagmorgen Bestzeit, und zwar mit 1,796 Sekunden Vorsprung. Das ist in einem Sprintformat eine halbe Ewigkeit.

Am Samstagmorgen, nach einem Gewitter mit monsunartigen Regenfällen am Freitagabend, wiederholte er das Kunststück auf abgetrockneter Strecke — diesmal allerdings mit gerade einmal 15 Tausendstelsekunden Vorsprung auf Mike Torwesten im laubfroschgrünen dp-Porsche 935 II turbo. 32 Piloten nahmen an dieser Zeitenjagd teil. Im zweiten Rennen brachte Molenaar den E36 als Gesamtzweiter ins Ziel, direkt vor Torwesten.

Harald Grohs: der König der Best Ager

Die Geschichte des Wochenendes schrieb allerdings ein anderer. Harald „Nippel“ Grohs, einer der Botschafter der Serie, startete erstmals mit dem amtierenden Meisterteam von Heinz F. Pott aus Beckum — im BMW M3 E30, dem Auto, das zuvor Dr. Sebastian Haas bewegt hatte.

Am Freitag reichte es zum dritten Rang in Klasse 3. Über das Wochenende hinweg optimierte Grohs das Fahrzeug Schritt für Schritt weiter. Im zweiten Rennen am Samstagabend lieferte er sich dann ein Duell mit Porsche-Pilot Max Kainzinger im 964 Carrera Cup — Doppelsieger der Klasse 4 an diesem Wochenende — und fuhr den Klassensieg in Klasse 3 heraus. Mit 82 Jahren.

Man kann das als Anekdote abtun. Man kann es aber auch als das lesen, was es ist: der praktische Beweis, dass ein gut aufgebauter E30 M3 kein Ausstellungsstück ist, sondern ein Rennwagen, den man auch nach vier Jahrzehnten noch ans Limit bringen kann — wenn man weiß, wie.

Die Gesamtwertung: zweimal Mücke

Beide Sprintrennen gingen an Stefan Mücke, der als Einziger im Feld eine Sonderstellung genießt. Im Freitagsrennen kämpfte er sich vom 36. Startplatz nach vorne und übernahm nach zehn Runden beziehungsweise 19 Rennminuten klar das Kommando — der Wagen: der Mercedes-Benz der C-Klasse, den er 2006 selbst in der DTM gefahren hat. Am Samstag wiederholte er die Aufholjagd und gewann erneut, vor Molenaar und Torwesten.

Die Klasse 2 ging an ein niederländisches Duo. Und in der Meisterschaft nach drei von fünf Wochenenden führten zwei Porsche-Piloten das Klassement an: Oliver Menzel (54,34 Punkte, Klasse 5) vor Thomas Ardelt (50,7 Punkte, Klasse 6). Der zuvor führende österreichische BMW-Pilot Marcus Weege aus Klasse 4 fiel mit 37,5 Punkten auf Rang drei zurück, weil er Zandvoort ausließ. Christer Simonsen war Gesamtvierter und Klassenbester in Klasse 3.

Was BMW-Klassikerfahrer daraus mitnehmen

  • „Pure Group A“: Kurz vor Zandvoort startete die Serie ein Pilotprojekt ausschließlich für Renntourenwagen der Gruppe A von 1982 bis 1992 — als Ausgangsbasis für ein eigenständiges Veranstaltungsformat. Für Besitzer von 635 CSi, M3 E30 oder 325i ist das die konkreteste Perspektive seit Jahren.

  • Die Einstiegshürde ist niedriger, als viele denken. Das Credo der Klasse 3 lautet ausdrücklich: authentischer, basisorientierter Wettbewerb für weniger aufwändig aufgebaute Fahrzeuge.

  • Klasse 4 ist die Wachstumsklasse. Wer einen E36 oder E46 mit großem Sechszylinder aufbaut, findet dort ein sportlich sinnvoll abgegrenztes Umfeld.

  • Zandvoort ist als Schauplatz ideal für Leser-Ausflüge: Dünenkurs, kurze Wege, Fahrerlager zum Anfassen — und im Vergleich zur Formel 1 im August deutlich entspannter erreichbar.

Fazit

Für ein BMW-Publikum war der Zandvoort-Auftritt der TOURENWAGEN LEGENDEN ergiebiger, als es die reine Ergebnisliste vermuten lässt. Die Gesamtsiege gingen an einen Mercedes, die Meisterschaftsführung an Porsche-Piloten — und trotzdem war dieses Wochenende ein BMW-Wochenende. 15 der 42 Starter waren klassische Gruppe-A-Tourenwagen, die stärkste Einzelklasse war die BMW-geprägte Klasse 3, der schnellste Mann im Qualifying saß in einem M3 E36, und den emotionalsten Moment lieferte ein M3 E30.

Kritisch bleibt anzumerken: Ein Starterfeld von 42 Fahrzeugen verteilt auf sechs Klassen bedeutet, dass einzelne Klassen dünn besetzt sind — vier Starter in Klasse 2 sind für ein Rennformat wenig. Und die neue, breit angelegte Klassenstruktur macht das Klassement für Zuschauer an der Strecke nicht übersichtlicher. Wer nur hinschaut, sieht ein buntes Feld; wer die Wertung verstehen will, braucht die Startliste.

Unterm Strich aber genau das, was historischer Tourenwagensport sein sollte: kein durchchoreographiertes DTM-Revival, sondern echter Rennbetrieb, überwiegend von Privatleuten getragen — mit Autos, die man auch selbst besitzen könnte.

Ausblick

Die Saison 2026 der TOURENWAGEN LEGENDEN wird am Salzburgring (4. bis 6. September, im Rahmen des ADAC GT Masters) und beim ADAC Racing Weekend auf dem Hockenheimring (2. bis 4. Oktober) fortgesetzt. Der Zandvoort Historic Grand Prix findet traditionell im Juni statt; der Termin für 2027 war bei Redaktionsschluss noch nicht bestätigt.

Mitmachen bei s14.de

Du fotografierst solche Events?

Du stehst bei Klassiker-Veranstaltungen ohnehin mit der Kamera am Streckenrand, im Fahrerlager oder auf dem Concours-Rasen? Wir suchen Hobbyfotografinnen und Hobbyfotografen, die Events wie diese für s14.de begleiten und ihre Bilder hier veröffentlichen — natürlich mit Namensnennung. Ein kurzer Gruß mit zwei, drei Beispielbildern genügt.

Quellen

Recherchestand: 14. August 2026. Angaben nach den unten genannten Veröffentlichungen; Ergebnisse ohne Gewähr, offizielle Ergebnislisten führt der Serienveranstalter.

[1] netzwerkeins / Carsten Krome: Vorbericht zum Zandvoort Historic Grand Prix, 42 Starter in sechs Klassen — https://www.netzwerkeins.com/2026/06/17/zandvoort-historic-grand-prix-19-21-06-2026-mit-42-gemeldeten-teilnehmern-das-zweite-grosse-highlight-der-tourenwagen-legenden-saison-08-2026/

[2] netzwerkeins / Carsten Krome: Wochenend-Bilanz und Meisterschaftsstand, „Harald Grohs zum König der Best Ager gekrönt“ — https://www.netzwerkeins.com/2026/06/29/harald-grohs-als-sieger-der-klasse-3-zum-koenig-der-best-ager-gekroent/

[3] TOURENWAGEN LEGENDEN: Termine, Qualifying- und Rennberichte Zandvoort 2026 — https://tourenwagen-legenden.de/termine-2026/

[4] TOURENWAGEN LEGENDEN: Rennkalender 2026 und Klassenübersicht — https://tourenwagen-legenden.de/

[5] netzwerkeins / Carsten Krome: neue Klassenstruktur 2026, Teil 3 — Klasse 3 (Gruppe A ab 1982) — https://www.netzwerkeins.com/2025/11/14/tourenwagen-legenden-saison-08-2026-neue-klassenstruktur-dritter-teil-klasse-3-von-der-deutschen-produktionswagen-meisterschaft-1984-bis-zur-dtm/

[6] netzwerkeins / Carsten Krome: neue Klassenstruktur 2026, Teil 4 — Klasse 4 bis 3.300 ccm — https://www.netzwerkeins.com/2025/11/12/tourenwagen-legenden-2026-klasse-4-hier-spielt-die-musik/

[7] netzwerkeins / Carsten Krome: Doppeleinsatz Holthoff Car Performance in Zandvoort — https://www.netzwerkeins.com/2026/06/26/doppelter-einsatz-fuer-holthoff-car-performance-hcp/

[8] HARC — Programm und Rennklassen des Historic Grand Prix Zandvoort 2026 — https://harc.nl/en/events/event/5313

[9] Circuit Zandvoort — Veranstaltungsinformationen Historic Grand Prix 2026 — https://www.circuitzandvoort.nl/en/events/19-06-2026-historic-grand-prix-2-2/

Bildnachweise