Als der erste 3er 1975 erschien, hatte BMW keine Antwort auf eine einfache Frage: Wo bleibt der Sportler? Die Antwort kam 1978 — aber nicht aus München, sondern aus Buchloe. Der Alpina B6 2.8 pflanzte den 2,8-Liter-Sechszylinder des 528i in die schmale E21-Karosserie und war damit der erste 3er mit 200 PS. Das Auto auf diesen Bildern erzählt diese Geschichte auf besondere Weise: Es ist ein Neuaufbau nach B6-Vorbild, aufgebaut von unserem Autor Sven — mit Originalteilen, aber ohne die Behauptung, ein Original zu sein.
Was Buchloe 1978 baute
Um zu verstehen, warum dieses Auto so besonders ist, muss man ins Allgäu. Burkard Bovensiepen hatte Alpina seit 1965 vom Familienbetrieb in Buchloe aus zum Veredler mit Rennsport-Adresse entwickelt — Vergaseranlagen für die Neue Klasse am Anfang, später Erfolge in der Tourenwagen-Europameisterschaft. Der entscheidende Schritt kam zum Januar 1978: Alpina wurde als eigenständiger Automobilhersteller anerkannt. Aus dem Tuner, der fertige BMW nachträglich umbaute, wurde ein Hersteller mit eigenen Fahrgestellnummern, eigener Typprüfung, eigener Verantwortung. [1]
Der B6 2.8 gehörte zur ersten Modellgeneration dieser neuen Ära. Die Basis lieferte der 323i — das damalige Spitzenmodell der Baureihe mit 143 PS —, den Antrieb der große M30-Sechszylinder aus dem 528i. Ab März 1978 entstanden in Buchloe so die schnellsten 3er ihrer Zeit: erst mit 200, ab August 1981 mit 218 PS. Bis Januar 1983 verließen laut Alpina-Archive-Register 533 Exemplare das Werk — Kleinserie im Wortsinn, jedes Auto einzeln aufgebaut. [1]

Der Motorumbau im Detail
Ein 528i-Motor im 3er — das klingt nach simplem Umstecken, war aber Feinarbeit. Alpina zerlegte den M30B28 (2.788 cm³) und baute ihn mit Mahle-Schmiedekolben, bearbeiteten Brennräumen und erhöhter Verdichtung neu auf. Statt der Serien-Einspritzung des 528i kam eine mechanische Zenith-Pierburg-DL-Anlage mit sechs einzelnen Saugrohren zum Einsatz — bis heute eines der wichtigsten Echtheitsmerkmale eines B6 2.8, denn kein Serien-BMW trug diese Anlage. [1][2]
Das Ergebnis: 200 PS bei 5.500/min in der ersten Ausführung, 218 PS ab August 1981. Beim Drehmoment gehen die Quellen auseinander: Für die 200-PS-Version nennen Datenbanken 248 Nm, für die 218-PS-Version 265 Nm bei 4.500/min — Alpina-nahe Register weichen im Detail ab. Wir benennen solche Differenzen, statt sie zu glätten. [2][4]


Fahreigenschaften: der schnellste 3er seiner Zeit
Was der Umbau bewirkte, maß die Fachpresse nach: auto motor und sport stoppte im zeitgenössischen Fahrbericht 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h — die Werksangabe lag je nach Ausführung bei 7,2 bis 7,5 Sekunden, die Spitze je nach Quelle bei 220 bis 225 km/h. Damit war der B6 2.8 der schnellste 3er seiner Zeit; BMW selbst bot im E21 nie mehr als die 143 PS des 323i. Im Alltag zählte ohnehin etwas anderes: der Durchzug des großen Sechszylinders, der den B6 souveräner machte als jede Drehzahlorgie. [3][2]
Geschaltet wurde über ein enger gestuftes Getrag-Fünfganggetriebe, wo der 323i serienmäßig vier Gänge hatte. Die Hinterachse übersetzte nach Datenbankangabe mit 3,45:1 — diese Zahl ist bislang nur einfach belegt, wir kennzeichnen das. [4] Das Fahrwerk kombinierte Bilstein-Dämpfer mit progressiven Federn, vorn verzögerten gelochte, innenbelüftete Scheiben. Auf der Straße stand der B6 auf 15-Zoll-Alpina-Rädern — 6J mit 195/50 vorn, 7J mit 205/50 hinten. Der Preis des Konzepts: Der lange M30 legte mehr Gewicht auf die Vorderachse als der kompakte Sechszylinder des 323i — der B6 wollte wie ein Gran Turismo gefahren werden, nicht wie ein Kart. [1][2]

Datenblatt — mit benannten Widersprüchen
| Angabe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Bauzeit | März 1978 – Januar 1983 | Alpina-Archive |
| Motor | M30B28, 2.788 cm³, R6, Mahle-Schmiedekolben, Zenith-Pierburg-DL-Einspritzung | Alpina-Archive |
| Leistung | 200 PS; ab 08/1981: 218 PS | Alpina-Archive |
| Drehmoment | 248 Nm (200 PS) / 265 Nm bei 4.500/min (218 PS) — Quellen uneinheitlich | auto-data / ultimatespecs |
| Getriebe | Getrag-Fünfgang, enger gestuft (323i: serienmäßig Viergang) | Alpina-Archive |
| Hinterachsübersetzung | 3,45 : 1 — nur einfach belegt | ultimatespecs |
| Fahrwerk | Bilstein-Dämpfer, progressive Federn | Alpina-Archive |
| Bremsen | vorn gelochte, innenbelüftete Scheiben | Alpina-Archive |
| Räder/Reifen | 15 Zoll: 6J mit 195/50 vorn, 7J mit 205/50 hinten | Alpina-Archive |
| 0–100 km/h | 7,2–7,5 s (Werk); 6,9 s im ams-Test | Werk / auto motor und sport |
| Höchstgeschwindigkeit | 220–225 km/h — Quellen uneinheitlich | auto-data / ams |
| Stückzahl | 533 | Alpina-Archive-Register |
Wo sich Register und Datenbanken widersprechen, steht das oben ausdrücklich — wir glätten solche Differenzen nicht. Die vollständigen Daten mit Einordnung stehen auf unserer Modellseite zum Alpina B6 2.8.
Innen: die Signatur aus Buchloe
Innen zeigte der B6, dass Understatement nicht Verzicht heißt: Sportsitze im blau-grün gestreiften Alpina-Dekostoff, Vierspeichen-Lenkrad mit Wappen, eigene Instrumente. Dazu Details mit Zeitkapsel-Charakter — vom Holz-Schaltknauf über das BMW-bavaria-Radio bis zum Heckspoiler mit eingeprägter KBA-Nummer.

Der Neuaufbau: Replika mit Haltung
Das gezeigte Fahrzeug ist kein Buchloer Originalauto, sondern ein dokumentierter Neuaufbau nach B6-Vorbild — auf E21-Basis, mit originalen Alpina-Komponenten aufgebaut: vom M30 mit der charakteristischen Ansauganlage über die Räder bis zu Dekorsatz in Gold, Instrumenten und Sitzstoff. Dunkelblauer Sonderlack, Goldlinien, Holz-Schaltknauf: Die Zutaten stimmen bis ins Detail.

Die Restaurierung: Neuwagenniveau, ehrlich erreicht
Hinter den Bildern steckt eine Vollrestaurierung, wie sie gründlicher kaum geht — dokumentiert bei MOTORSPORT24. [5] Die Rohkarosserie ging komplett ins Säurebad und wurde anschließend KTL-beschichtet, Rostvorsorge auf Neuwagen-Niveau, bevor der Alpina-Blauton aufgetragen wurde. Innen wurden die Sitze mit originalem Alpina-Stoff neu bezogen, dazu kam neuer Teppich.
Technisch blieb nichts dem Zufall überlassen: Motor revidiert, Getriebe überholt, Differential neu gelagert — und dabei um eine Sperre ergänzt. Die Abgasanlage wurde anhand eines Musters der Originalanlage nachgefertigt und ebenso wie der Fächerkrümmer keramik-hitzebeschichtet. Beim Fahrwerk ging der Aufbau einen eigenen Weg: eine Individualanfertigung des niederländischen Fahrwerksspezialisten Intrax, kombiniert mit einem 5-Loch-Umbau, der Platz für eine größere Bremsanlage schafft. Sämtliche Lenker und Lager wurden erneuert.
Damit ist auch klar benannt, was dieses Auto ist: Bis auf das Fahrwerk ist an diesem Wagen alles original oder — wie die Abgasanlage — originalgetreu nach Muster gefertigt. Das maßgefertigte Intrax-Fahrwerk bleibt die eine bewusste Abweichung vom Auslieferungszustand von 1978: Es macht das Auto besser fahrbar, ohne die Substanz anzutasten. Genau diese Offenheit unterscheidet einen ehrlichen Neuaufbau von einer stillen Fälschung.



Warum wir das zeigen
Weil der Umgang mit Replikas zur Ehrlichkeit des Marktes gehört. Ein guter Neuaufbau versteckt sich nicht — er dokumentiert Basis, Teile und Historie und nennt sich, was er ist. Bei 533 gebauten Originalen und heutigen Sammlerpreisen ist das die einzige Linie, die Käufer, Verkäufer und die Erinnerung an Buchloe gleichermaßen respektiert. Genau so, mit offenen Karten, gehört ein solches Auto in die Szene.
Galerie


















































Quellen: [1] Alpina-Archive (Car Profile B6 2.8), [2] auto-data.net (Datenblatt), [3] auto motor und sport (Fahrbericht „Der erste 200-PS-3er“), [4] ultimatespecs.com (Getriebe-/Achsdaten, einfach belegt), [5] MOTORSPORT24: Dokumentation der E21-Vollrestaurierung. Fotos: MOTORSPORT24 — Fahrzeug: Neuaufbau im Besitz von Sven.
Bildnachweise
- Eigenes Foto · MOTORSPORT24







































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