01 · Überblick
Ein Auto, gebaut für ein Formular
Der M3 GT ist kein Sondermodell im üblichen Sinn. Er existiert, weil BMW Bauteile für den Rennsport homologieren wollte — Aerodynamik, Fahrwerk, Motordetails. Dafür braucht es eine Straßenkleinserie, und die entstand im Frühjahr 1995: 350 Fahrzeuge mit den Fahrgestellnummern EA40006 bis EA40355, dazu eine Handvoll Vorserienwagen. Das Register hält fest, dass zwei davon dem FIA-Zulassungsantrag dienten.
Damit löst sich auch der scheinbare Widerspruch in den Zahlen auf. BMW Group Classic schreibt „auf 350 Stück limitiert“, BMW M schreibt „356 produzierte Einheiten“ — beides stimmt, es sind nur unterschiedliche Zählweisen. Ob es fünf oder sechs Vorserienwagen waren, ist allerdings nicht geklärt: BMW M nennt fünf, das Register sechs.
Für welche Rennserie genau homologiert wurde, ist unsauber überliefert. BMW M schreibt „FIA-GT-Serie, Division II und IMSA-GT-Serie“. Eine FIA-GT-Meisterschaft gab es 1995 aber noch nicht — die internationale GT-Serie jener Jahre war die BPR Global GT Series, die erst 1997 zur FIA GT Championship wurde. BMWs Formulierung ist also rückblickend. Was es gab, waren FIA-Homologationsklassen, nach denen unter anderem die BPR-Serie fuhr.
02 · Historie
Ein halbes Jahr Bauzeit
- 1994 Ab Dezember entstehen die Vorserien- und Entwicklungsfahrzeuge. Zwei davon dienen dem FIA-Zulassungsantrag und einer Präsentation vor dem BMW-Vorstand, mit der die Freigabe der Produktionsmittel begründet wird.
- 1995 Februar bis Juni: Serienfertigung der 350 Wagen. BMW Group Classic datiert die Bauzeit auf März bis Juni, die deutsche Wikipedia beginnt mit den Vorserienwagen bei Dezember 1994.
- 1995 Parallel entsteht für Großbritannien eine eigene Serie von 50 Rechtslenkern unter dem Namen M3 GT Individual — mit dem Optik- und Fahrwerkspaket, aber ohne die Motorüberarbeitung.
03 · Modellübersicht
Der GT gegen den Serien-M3
Technische Daten anzeigen — komplette Modellmatrix
| Modell | Motor | Hubraum | Leistung | Bauzeit |
|---|---|---|---|---|
| M3 Coupé (Serie) | S50B30 | 2.990 cm³ | 286 PS (210 kW) bei 7.000/min | 1992–1995 |
| M3 GT | S50B30, überarbeitet | 2.990 cm³ | 295 PS (217 kW) bei 7.000/min | 1995 |
| M3 GT Individual (UK) | S50B30, Serienstand | 2.990 cm³ | 286 PS (210 kW) | 1995 |
04 · Im Detail
Im Detail
Coupé

Nur als Coupé gebaut — es gab weder eine Limousine noch ein Cabrio als GT. Türen aus Aluminium, verstellbarer Frontsplitter, höhergesetzter Doppelheckflügel, aerodynamisch optimierte Spiegel, weiße Blinkergläser vorn, ausschließlich British Racing Green (Farbcode 312).
05 · Motoren
Der Motor
S50B30 · 2.990 cm³ · 295 PS geprüft
Neun PS mehr als der Serien-M3, erreicht über eine neu profilierte 264-Grad-Nockenwelle, eine neu abgestimmte Motronic M3.3 und die kurze Ansaugbrücke des noch nicht eingeführten 3,2-Liter-S50B32. Die Ansaugbrücke ist der einzige Punkt, den BMW M selbst ausdrücklich nennt — sie kam im GT also vor ihrem Serieneinsatz zum Zug. Dazu eine Ölwanne mit Schwallblechen und doppelter Ölansaugung, was für ein Homologationsauto plausibel ist, von BMW aber nicht bestätigt wird. Ob die Verdichtung erhöht wurde, ist ungeklärt: mehrere Quellen behaupten es, eine nennt ausdrücklich unveränderte 10,8:1, und keine BMW-Quelle gibt einen Wert an.
Technische Daten anzeigen
| Hubraum | 2.990 cm³ |
| Leistung | 295 PS (217 kW) bei 7.000/min |
| Drehmoment | 323 Nm bei 3.900/min |
| 0–100 km/h | 5,9 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h abgeregelt |
| Literleistung | 98,7 PS/l laut BMW M |
BMW M, BMW Group Classic, Wikipedia
06 · Technik
Technik
Aluminiumtüren und Aerodynamik
Fahrwerk — hier widerspricht BMW der Fachliteratur
Erkennungsmerkmale
Der britische M3 GT Individual
Wo der Wagen verkauft wurde
07 · Identifikation
Identifikation
Der M3 GT ist über Farbe und Anbauteile schnell einzugrenzen — die Feinheiten stecken im Detail.
- Lackierung
- ausnahmslos British Racing Greengeprüft
- Aerodynamik
- verstellbare GT-Frontspoilerlippe und zweiteiliger Heckflügelgeprüft
- Motor
- S50B30 mit 295 PS statt 286 PSgeprüft
- Stückzahl-Logik
- 350 Kundenfahrzeuge plus Vorserie — 356 gesamt dokumentiertplausibel
08 · Motorsport
Motorsport
Der M3 GT war selbst kein Rennwagen, sondern die Homologationsbasis. BMW M nennt als Ziel die FIA-GT-Klasse Division II und die IMSA-GT-Serie. Diese Angabe ist in zweifacher Hinsicht spannungsvoll: Eine FIA-GT-Meisterschaft gab es 1995 noch nicht — die BPR Global GT Series lief von 1994 bis 1996 und wurde erst 1997 zur FIA GT Championship. Und ein Auto, das laut BMW nur in Deutschland verkauft wurde, taugt schlecht zur IMSA-Homologation. Die verbreitete Zuordnung zum ADAC GT Cup ist von keiner BMW-Quelle gedeckt.
09 · Kaufberatung
Worauf man beim Kauf achtet
Beim M3 GT ist die Identität das Wichtigste. Die Fahrgestellnummer der Serie liegt zwischen EA40006 und EA40355 und trägt die Kennung BF99; der britische GT Individual trägt BF92.
Zur Verdichtung des GT-Motors gibt es keine BMW-Angabe, und die Sekundärquellen widersprechen sich. Wer ein Fahrzeug mit angeblich erhöhter Verdichtung angeboten bekommt, sollte sich den Beleg zeigen lassen.
10 · Die Konkurrenz
Die Konkurrenz
Porsche 911 Carrera RS (993)
Die andere große Homologationskleinserie derselben Jahre — teurer, kompromissloser, in deutlich kleinerer Stückzahl.
Mercedes-Benz C 36 AMG
Kein Homologationsauto, sondern die erste Serienzusammenarbeit von Mercedes und AMG. Der Gegenentwurf: mehr Hubraum, weniger Rennsportbezug.
11 · Galerie
Galerie
Die letzten beiden Aufnahmen zeigen den britischen M3 GT Individual.






12 · Quellen
