Modelle · Technik · Variante der Baureihe E36

BMW M3 GT E36

350 Wagen in einer einzigen Farbe — gebaut, um Rennsportteile zu homologieren.

BMW M3 GT E36 in British Racing Green
British Racing Green, Farbcode 312 — die einzige Farbe, die es für den M3 GT gab.Lizenziert · Charles from Port Chester, New York · CC BY 2.0

Bauzeit

1995

Vorserie ab Dezember 1994, Serienfertigung Februar bis Juni 1995

Stückzahl

350 plus Vorserie

Fahrgestellnummern EA40006 bis EA40355 sind die Serie; mit den Vorserienwagen kommt man auf 356

Motor

S50B30 · 295 PS

217 kW bei 7.000/min, 323 Nm bei 3.900/min — neun PS über dem Serien-M3

Farbe

British Racing Green

Farbcode 312, die einzige Lackierung des Modells

Preis

91.000 DM

Von BMW M und BMW Group Classic übereinstimmend genannt

01 · Überblick

Ein Auto, gebaut für ein Formular

Der M3 GT ist kein Sondermodell im üblichen Sinn. Er existiert, weil BMW Bauteile für den Rennsport homologieren wollte — Aerodynamik, Fahrwerk, Motordetails. Dafür braucht es eine Straßenkleinserie, und die entstand im Frühjahr 1995: 350 Fahrzeuge mit den Fahrgestellnummern EA40006 bis EA40355, dazu eine Handvoll Vorserienwagen. Das Register hält fest, dass zwei davon dem FIA-Zulassungsantrag dienten.

Damit löst sich auch der scheinbare Widerspruch in den Zahlen auf. BMW Group Classic schreibt „auf 350 Stück limitiert“, BMW M schreibt „356 produzierte Einheiten“ — beides stimmt, es sind nur unterschiedliche Zählweisen. Ob es fünf oder sechs Vorserienwagen waren, ist allerdings nicht geklärt: BMW M nennt fünf, das Register sechs.

Für welche Rennserie genau homologiert wurde, ist unsauber überliefert. BMW M schreibt „FIA-GT-Serie, Division II und IMSA-GT-Serie“. Eine FIA-GT-Meisterschaft gab es 1995 aber noch nicht — die internationale GT-Serie jener Jahre war die BPR Global GT Series, die erst 1997 zur FIA GT Championship wurde. BMWs Formulierung ist also rückblickend. Was es gab, waren FIA-Homologationsklassen, nach denen unter anderem die BPR-Serie fuhr.

02 · Historie

Ein halbes Jahr Bauzeit

  1. 1994 Ab Dezember entstehen die Vorserien- und Entwicklungsfahrzeuge. Zwei davon dienen dem FIA-Zulassungsantrag und einer Präsentation vor dem BMW-Vorstand, mit der die Freigabe der Produktionsmittel begründet wird.
  2. 1995 Februar bis Juni: Serienfertigung der 350 Wagen. BMW Group Classic datiert die Bauzeit auf März bis Juni, die deutsche Wikipedia beginnt mit den Vorserienwagen bei Dezember 1994.
  3. 1995 Parallel entsteht für Großbritannien eine eigene Serie von 50 Rechtslenkern unter dem Namen M3 GT Individual — mit dem Optik- und Fahrwerkspaket, aber ohne die Motorüberarbeitung.

03 · Modellübersicht

Der GT gegen den Serien-M3

Technische Daten anzeigen — komplette Modellmatrix
Modell Motor Hubraum Leistung Bauzeit
M3 Coupé (Serie) S50B30 2.990 cm³ 286 PS (210 kW) bei 7.000/min 1992–1995
M3 GT S50B30, überarbeitet 2.990 cm³ 295 PS (217 kW) bei 7.000/min 1995
M3 GT Individual (UK) S50B30, Serienstand 2.990 cm³ 286 PS (210 kW) 1995

04 · Im Detail

Im Detail

Coupé

BMW M3 GT E36 schräg von vorn
Verstellbarer Frontsplitter und höhergesetzter Doppelheckflügel gehörten zur Serienausstattung.Lizenziert · More Cars · CC BY 4.0

Nur als Coupé gebaut — es gab weder eine Limousine noch ein Cabrio als GT. Türen aus Aluminium, verstellbarer Frontsplitter, höhergesetzter Doppelheckflügel, aerodynamisch optimierte Spiegel, weiße Blinkergläser vorn, ausschließlich British Racing Green (Farbcode 312).

05 · Motoren

Der Motor

S50B30 · 2.990 cm³ · 295 PS geprüft

Neun PS mehr als der Serien-M3, erreicht über eine neu profilierte 264-Grad-Nockenwelle, eine neu abgestimmte Motronic M3.3 und die kurze Ansaugbrücke des noch nicht eingeführten 3,2-Liter-S50B32. Die Ansaugbrücke ist der einzige Punkt, den BMW M selbst ausdrücklich nennt — sie kam im GT also vor ihrem Serieneinsatz zum Zug. Dazu eine Ölwanne mit Schwallblechen und doppelter Ölansaugung, was für ein Homologationsauto plausibel ist, von BMW aber nicht bestätigt wird. Ob die Verdichtung erhöht wurde, ist ungeklärt: mehrere Quellen behaupten es, eine nennt ausdrücklich unveränderte 10,8:1, und keine BMW-Quelle gibt einen Wert an.

Technische Daten anzeigen
Hubraum2.990 cm³
Leistung295 PS (217 kW) bei 7.000/min
Drehmoment323 Nm bei 3.900/min
0–100 km/h5,9 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h abgeregelt
Literleistung98,7 PS/l laut BMW M

BMW M, BMW Group Classic, Wikipedia

06 · Technik

Technik

Aluminiumtüren und Aerodynamik

Fahrwerk — hier widerspricht BMW der Fachliteratur

Erkennungsmerkmale

Der britische M3 GT Individual

Wo der Wagen verkauft wurde

07 · Identifikation

Identifikation

Der M3 GT ist über Farbe und Anbauteile schnell einzugrenzen — die Feinheiten stecken im Detail.

Lackierung
ausnahmslos British Racing Greengeprüft
Aerodynamik
verstellbare GT-Frontspoilerlippe und zweiteiliger Heckflügelgeprüft
Motor
S50B30 mit 295 PS statt 286 PSgeprüft
Stückzahl-Logik
350 Kundenfahrzeuge plus Vorserie — 356 gesamt dokumentiertplausibel

08 · Motorsport

Motorsport

Der M3 GT war selbst kein Rennwagen, sondern die Homologationsbasis. BMW M nennt als Ziel die FIA-GT-Klasse Division II und die IMSA-GT-Serie. Diese Angabe ist in zweifacher Hinsicht spannungsvoll: Eine FIA-GT-Meisterschaft gab es 1995 noch nicht — die BPR Global GT Series lief von 1994 bis 1996 und wurde erst 1997 zur FIA GT Championship. Und ein Auto, das laut BMW nur in Deutschland verkauft wurde, taugt schlecht zur IMSA-Homologation. Die verbreitete Zuordnung zum ADAC GT Cup ist von keiner BMW-Quelle gedeckt.

09 · Kaufberatung

Worauf man beim Kauf achtet

Beim M3 GT ist die Identität das Wichtigste. Die Fahrgestellnummer der Serie liegt zwischen EA40006 und EA40355 und trägt die Kennung BF99; der britische GT Individual trägt BF92.

Zur Verdichtung des GT-Motors gibt es keine BMW-Angabe, und die Sekundärquellen widersprechen sich. Wer ein Fahrzeug mit angeblich erhöhter Verdichtung angeboten bekommt, sollte sich den Beleg zeigen lassen.

10 · Die Konkurrenz

Die Konkurrenz

Porsche 911 Carrera RS (993)

Die andere große Homologationskleinserie derselben Jahre — teurer, kompromissloser, in deutlich kleinerer Stückzahl.

Mercedes-Benz C 36 AMG

Kein Homologationsauto, sondern die erste Serienzusammenarbeit von Mercedes und AMG. Der Gegenentwurf: mehr Hubraum, weniger Rennsportbezug.

11 · Galerie

Galerie

Die letzten beiden Aufnahmen zeigen den britischen M3 GT Individual.

BMW M3 GT E36 in British Racing Green
British Racing Green, Farbcode 312 — die einzige Farbe, die es für den M3 GT gab.Lizenziert · Charles from Port Chester, New York · CC BY 2.0
BMW M3 GT E36 schräg von vorn
Verstellbarer Frontsplitter und höhergesetzter Doppelheckflügel gehörten zur Serienausstattung.Lizenziert · More Cars · CC BY 4.0
BMW M3 GT E36 Detailansicht
Vorn weiße statt orangefarbene Blinkergläser — ein sicheres Erkennungsmerkmal.Lizenziert · More Cars · CC BY 4.0
BMW M3 GT E36 von der Seite
350 Serienwagen plus die Vorserie — zusammen 356 Fahrzeuge.Lizenziert · More Cars · CC BY 2.0
BMW M3 GT Individual von vorn
Der britische M3 GT Individual: 50 Rechtslenker mit dem Optik- und Fahrwerkspaket, aber dem Serienmotor.Lizenziert · Vauxford · CC BY-SA 4.0
BMW M3 GT Individual von hinten
Auch der Individual kam ausschließlich in British Racing Green — innen aber mit Holz statt Carbon.Lizenziert · Vauxford · CC BY-SA 4.0

12 · Quellen

Belege & Literatur

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