01 · Überblick
Der Wagen, an dem sich der Designstreit entzündete
Der E65 löste im Herbst 2001 den E38 ab — und brach mit dessen konservativer Linie so deutlich, dass die Diskussion darüber die Baureihe bis heute begleitet. Verantwortlich war der damalige Designchef Chris Bangle. Besonders die Frontpartie und der markante Heckdeckel standen stellvertretend für die neue Formensprache.
Bemerkenswert ist, was Bangle beließ: die Doppelscheinwerfer und den Hofmeister-Knick. Beides sind die Konstanten, an denen der Wagen trotz allem als BMW erkennbar bleibt.
Technisch war der E65 der Vorreiter. Mit ihm führte BMW das Bedienkonzept iDrive ein — hier zum ersten Mal überhaupt, bevor es in 5er, 6er und 3er wanderte. An der Spitze stand der 760i beziehungsweise 760Li mit dem N73-Zwölfzylinder: 5.972 cm³, 48 Ventile, 445 PS.
Die Baureihe kennt vier interne Kürzel: E65 für die Limousine, E66 für die Langversion, E67 für die Sonderschutzausführung und E68 für die Wasserstoffvariante, den Hydrogen 7. Die Grundpreise reichten von 58.500 Euro für den 730d bis 127.500 Euro für den 760Li.
02 · Historie
Sieben Jahre 7er
Von der IAA 2001 bis zum F01.
- 2001 Formale Vorstellung der neuen 7er-Reihe auf der IAA im Spätsommer. Verkaufsstart mit den Ottomotormodellen 735i und 745i. Im Werk Dingolfing findet der Generationenwechsel von E38 auf E65 statt.
- 2002 Die Langversionen 735Li und 745Li ergänzen das Programm.
- 2003 Der 760i und 760Li mit dem N73-Zwölfzylinder kommen als Topmodell. Der 730d startet bei 58.500 Euro.
- 2005 Im April endet die erste Motorengeneration; mit der Modellpflege wechseln die Ottomotoren auf größere Hubräume.
- 2008 Im Spätsommer endet die Produktion. Das Nachfolgemodell F01 wird vorgestellt.
03 · Modellübersicht
Die Motoren der ersten Serie
Angaben für den Zeitraum November 2001 bis April 2005. Mit der Modellpflege wechselten die Ottomotoren auf größere Hubräume.
Quelle: Werks- und Literaturangaben · geprüft
Technische Daten anzeigen — komplette Modellmatrix
| Modell | Motor | Hubraum | Leistung | Bauzeit |
|---|---|---|---|---|
| 730i / 730Li | M54B30 | 2.979 cm³ | 231 PS (170 kW) | 11/2001–04/2005 |
| 735i / 735Li | N62B36 | 3.600 cm³ | 272 PS (200 kW) | 11/2001–04/2005 |
| 745i / 745Li | N62B44 | 4.398 cm³ | 333 PS (245 kW) | 11/2001–04/2005 |
| 760i / 760Li | N73B60 (V12) | 5.972 cm³ | 445 PS (327 kW) | ab 2003 |
| 730d | M57D30TÜ | 2.993 cm³ | 218 PS (160 kW) | 11/2001–04/2005 |
| 740d | M67D40TÜ (V8-Diesel) | 3.901 cm³ | 258 PS (190 kW) | 11/2001–04/2005 |
04 · Karosserievarianten
Karosserievarianten
Limousine (E65)

Die Basiskarosserie ab Herbst 2001, gebaut im Werk Dingolfing.
Langversion (E66)

Mit verlängertem Radstand, ab 2002 als 735Li und 745Li. Das Topmodell 760Li gehört ebenfalls hierher.
Sonderschutz (E67)

Die gepanzerte Ausführung. Sie trägt ein eigenes internes Kürzel und ist keine nachträgliche Umrüstung, sondern eine Werksvariante.
Wasserstoff (E68)

Der BMW Hydrogen 7 mit Wasserstoffantrieb. Eine Kleinserie, technisch ein Zwölfzylinder mit bivalentem Betrieb.
05 · Motoren
Der N73-Zwölfzylinder
Der 760 unterschied sich nicht nur im Motor vom Rest der Baureihe, sondern auch in Bremsanlage und Bereifung.
N73B60 · 5.972 cm³ · 445 PS — 760i und 760Li geprüft
Zwölfzylinder-V-Motor mit 5.972 cm³ und 48 Ventilen, Verdichtung 11,3:1, 445 PS bei 6.000 Umdrehungen. Zum Motor gehört eine größere Bremsanlage: 374 mal 36 Millimeter vorn und 370 mal 24 Millimeter hinten. Deshalb sind 18 Zoll die kleinstmögliche Felgengröße für dieses Modell — ein Punkt, an dem sich ein echter 760 von einem umgerüsteten Wagen unterscheiden lässt.
Technische Daten anzeigen
| Bauart | Zwölfzylinder-V-Motor, 48 Ventile |
| Einbaulage | vorn längs |
| Hubraum | 5.972 cm³ |
| Verdichtung | 11,3:1 |
| Leistung | 327 kW (445 PS) bei 6.000/min |
| Bremsscheiben vorn | 374 × 36 mm |
| Bremsscheiben hinten | 370 × 24 mm |
| Kleinste Felgengröße | 18 Zoll, bedingt durch die Bremsanlage |
Datentabelle Wikipedia DE zur Baureihe E65, Abschnitt Topmodell 760i/Li
N62B44 · 4.398 cm³ · 333 PS — 745i und 745Li geprüft
Achtzylinder mit 32 Ventilen und Verdichtung 10,5:1, 333 PS bei 6.100 Umdrehungen. Zusammen mit dem 735i war er das Modell, mit dem der Verkauf 2001 startete.
Technische Daten anzeigen
| Bauart | V8, 32 Ventile |
| Hubraum | 4.398 cm³ |
| Verdichtung | 10,5:1 |
| Leistung | 245 kW (333 PS) bei 6.100/min |
| Bauzeit | 11/2001–04/2005 |
Datentabelle Wikipedia DE zur Baureihe E65
M67D40TÜ · 3.901 cm³ · 258 PS — 740d geprüft
Ein Achtzylinder-Diesel mit 3.901 cm³, 32 Ventilen und Verdichtung 18,0:1, 258 PS bei 4.000 Umdrehungen. Ein V8-Diesel im 7er ist heute eine Rarität — BMW bot ihn nur in dieser Baureihe und im Vorgänger an.
Technische Daten anzeigen
| Bauart | V8-Dieselmotor, 32 Ventile |
| Hubraum | 3.901 cm³ |
| Verdichtung | 18,0:1 |
| Leistung | 190 kW (258 PS) bei 4.000/min |
| Bauzeit | 11/2001–04/2005 |
Datentabelle Wikipedia DE zur Baureihe E65
M54B30 · 2.979 cm³ · 231 PS — 730i und 730Li geprüft
Der Reihensechszylinder als Einstieg in die Baureihe. 24 Ventile, Verdichtung 10,2:1, 231 PS bei 5.900 Umdrehungen und 300 Nm bei 3.500. Der letzte Sechszylinder-Sauger im 7er.
Technische Daten anzeigen
| Bauart | Reihensechszylinder, 24 Ventile |
| Hubraum | 2.979 cm³ |
| Verdichtung | 10,2:1 |
| Leistung | 170 kW (231 PS) bei 5.900/min |
| Drehmoment | 300 Nm bei 3.500/min |
| Bauzeit | 11/2001–04/2005 |
Datentabelle Wikipedia DE zur Baureihe E65
06 · Schwachstellen
Zuverlässigkeit & Schwachstellen
- Die Elektronik ist das bestimmende Thema. iDrive-Rechner, Bordnetz- und Karosseriesteuergeräte sowie der CAN-Bus verursachen bei diesem Wagen die meisten Werkstattaufenthalte. Fehlerspeicher auslesen ist Pflicht, nicht Kür.
- Beim N62-Achtzylinder sind Ventildeckeldichtungen, Kurbelgehäuseentlüftung und bei hoher Laufleistung die Alusil-Laufbahnen die bekannten Punkte. Ölverbrauch ist ein Hinweis.
- Der N73 des 760 ist aufwendig gebaut und entsprechend teuer im Unterhalt. Zwei Zylinderbänke bedeuten doppelte Teilezahl bei Zündung, Einspritzung und VANOS.
- Die Luftfederung der Hinterachse und die aktive Wankstabilisierung sind Verschleißteile mit hohen Ersatzteilpreisen.
- Rost ist bei dieser Generation kein Massenthema. Wer Blasen findet, sollte den Wagen auf Unfallinstandsetzung prüfen.
07 · Technik
iDrive — die Premiere
Was Bangle beließ
Amber corners
Woran man einen echten 760 erkennt
Vier Kürzel, ein Auto
Technische Daten — Achsübersetzungen & Getriebe
- Karosserien
- Limousine (E65), Langversion (E66), Sonderschutz (E67), Wasserstoff (E68)
- Bauzeit
- Herbst 2001 bis Spätsommer 2008
- Bauort
- BMW Group Werk Dingolfing
- Bedienkonzept
- iDrive, hier erstmals bei BMW eingeführt
- Designchef
- Chris Bangle
- Beibehaltene Merkmale
- Doppelscheinwerfer, Hofmeister-Knick
- US-Version
- amber corners, gelbe Verglasung der Blinkerelemente
- 760i/Li Bremsanlage
- 374 × 36 mm vorn, 370 × 24 mm hinten
- 760i/Li Felgen
- mindestens 18 Zoll, bedingt durch die Bremsanlage
- Grundpreise Deutschland
- 58.500 € (730d, 2003) bis 127.500 € (760Li, 2008)
- Vorgänger
- E38 · Nachfolger: F01
08 · Zwölfzylinder
Der 760i und 760Li
Das Topmodell der Baureihe unterschied sich vom Rest nicht nur durch den N73B60 — 5.972 cm³, zwölf Zylinder, 48 Ventile, 445 PS bei 6.000 Umdrehungen — sondern auch durch zahlreiche Ausstattungsmerkmale.
Am deutlichsten sichtbar ist die größere Bremsanlage mit 374 mal 36 Millimetern vorn und 370 mal 24 Millimetern hinten. Sie hat eine praktische Folge: 18 Zoll sind die kleinstmögliche Felgengröße. Für die Bewertung eines angebotenen 760 ist das ein brauchbares Prüfmerkmal.
Mit 127.500 Euro war der 760Li von 2008 das teuerste Modell der Baureihe — und der letzte Serien-BMW mit Zwölfzylinder-Sauger in dieser Auslegung.

09 · Kaufberatung
Worauf es ankommt: Elektronik vor allem
Der E65 ist heute sehr günstig zu kaufen und sehr teuer zu unterhalten. Diese Schere ist bei kaum einem anderen BMW so weit geöffnet.
Vollständiges Auslesen aller Steuergeräte verlangen, nicht nur des Motorsteuergeräts. Ein E65 ohne aktuelles Fehlerprotokoll ist nicht bewertbar.
iDrive, Komfortzugang, Sitzverstellung und Klimaautomatik einzeln durchprobieren. Jede Funktion, die nicht arbeitet, ist ein eigener Kostenpunkt.
Beim N62 Ölverbrauch erfragen und Ventildeckel auf Ölfeuchte prüfen.
Luftfederung im Stand mehrfach absenken und anheben lassen, dazu die Wankstabilisierung im Fahrbetrieb testen.
Beim 760 die Bremsanlage und die Felgengröße gegen die Werksangaben prüfen — 18 Zoll sind das Minimum.
Der 730d ist der pragmatische E65, der 745i der ausgewogene. Der 760Li ist das eindrucksvollste Auto der Reihe — und dasjenige, bei dem eine lückenlose Wartungshistorie über Freude oder Ärger entscheidet.
10 · Die Konkurrenz
Die Konkurrenz
Mercedes-Benz S-Klasse (W220)
Der direkte Gegner, konservativer gezeichnet und dadurch weniger umstritten. Beide Baureihen teilen ein Problem: viel Elektronik, die heute teuer ist.
Audi A8 (D3)
Ab 2002, mit Aluminium-Spaceframe und quattro. Der technisch eigenständigste Vorschlag der Klasse.
Volkswagen Phaeton W12
Ab 2002 der Außenseiter mit Zwölfzylinder. Sachlich ein direkter Gegner des 760, im Markt jedoch nie angekommen.
11 · Galerie
Bilder
Limousine, Langversion und das Zwölfzylinder-Topmodell.









Andere BMW 7er Generationen
4 Baureihen mit E-Nummer, von 1977 bis 2008.
12 · Quellen
Belege & Literatur
Leitquelle ist die deutschsprachige Wikipedia zur Baureihe E65, deren Datentabelle die Motorvarianten für den Zeitraum November 2001 bis April 2005 vollständig ausweist. Bildquellen und Lizenzen stammen von Wikimedia Commons.


