Null Kilometer, sechs Einzeldrosselklappen, ein frisch lackierter Block: In der MOTORSPORT24-Werkstatt steht ein komplett revidierter BMW M88/3 aus einem M5 der Baureihe E28 — zerlegt bis zur letzten Schraube und neu aufgebaut, wie er 1985 das Werk verlassen hätte.
Vom M1 auf die Straße: woher der M88 kommt
Die Geschichte dieses Motors beginnt nicht in einer Limousine, sondern in einem Mittelmotor-Sportwagen. Für den M1 entwickelte die junge BMW Motorsport GmbH Ende der Siebziger den M88: 3,5 Liter Hubraum, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, sechs Einzeldrosselklappen — Renntechnik, wie sie BMW zuvor in den Vierventil-Rennmotoren der 3.0-CSL-Ära erprobt hatte, erstmals in einem Straßenauto der Marke. 277 PS leistete der Sechszylinder im M1, die Rennversionen der Procar-Serie lagen weit darüber. [1]
Als der M1 1981 auslief, war der Motor zu gut, um mit ihm zu verschwinden. BMW M überarbeitete das Triebwerk für den Fronteinbau: Aus der Trockensumpfschmierung des Mittelmotor-Sportlers wurde eine Nasssumpf-Anlage, Peripherie und Ansaugung wanderten um — aus M88 wurde M88/3. [1]
Der Motor, der den M5 erfand
Sein zweites Leben begann 1983 im M635 CSi — und ab 1984 in jenem Auto, das eine ganze Gattung begründete: dem ersten M5. 286 PS bei 6.500/min und 340 Nm bei 4.500/min lauten die Werksangaben; montiert wurden die Motoren bei BMW M in Handarbeit. Der M5 E28 galt bei seinem Erscheinen als schnellste Serienlimousine der Welt — eine unscheinbare Businesslimousine mit dem Herzen des M1. Für Märkte mit Katalysator-Pflicht entstand später die entschärfte Schwester S38B35, aus der wiederum der S38B36 des E34 M5 hervorging: Die Architektur des M88 trug bei BMW M bis in die Neunziger. [1][2]
Was bei der Revision geschah
Der hier gezeigte Motor wurde vollständig zerlegt, vermessen und mit aufgearbeiteten beziehungsweise neuen Komponenten aufgebaut: Kopf überholt, Ventiltrieb neu eingestellt, Peripherie vom Ölsystem über die Wasserpumpe bis zur Einspritzleiste revidiert, Block und Anbauteile aufbereitet. Der Zähler steht wieder auf null — ein Zustand, den bei diesen Motoren nur noch wenige Exemplare erreichen.
Woran man einen M88/3 erkennt
Wer vor dem offenen Motorraum steht, erkennt den M88/3 an drei Dingen: an der Reihe von sechs Einzeldrosselklappen unter der schwarzen Airbox mit dem Schriftzug „BMW 24-6″ — 24 Ventile, 6 Zylinder —, am gerippten M-Power-Ventildeckel und am Fächerkrümmer, der die Abgasseite wie ein Geflecht überzieht. Genau diese Merkmale zeigt die Galerie unten im Detail — vom Gesamtaufbau bis zur Schwungscheibe.
Galerie











Warum sich der Aufwand lohnt, zeigt der Blick auf die Rolle dieses Motors in der M-Geschichte: Der M88 ist die Blaupause des M-Straßenmotors — die ganze Linie von der Nockenwelle bis zur Einzeldrossel erzählt unser Porträt über Paul Rosche, in dessen Ära dieses Triebwerk entstand.
Quellen: [1] bmw-m.com („Legendäre Motoren“), [2] BMW Group PressClub. Revisionsangaben und Fotos: MOTORSPORT24.
Bildnachweise
- Eigenes Foto · MOTORSPORT24








































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