Carbon-Kevlar statt Komfortpolster, drei Rennschalen statt Rückbank, 320 PS statt 286: Der ACS3 CLS war kein dekorierter M3, sondern Aachens Antwort auf die Frage, wie viel Tourenwagen in einem straßenzugelassenen E36 stecken konnte.
Zum Titelbild: Zu sehen ist das Basisfahrzeug, ein BMW M3 E36. Vom seltenen ACS3 Sport CLS selbst existieren kaum frei verwendbare Aufnahmen.
Fachbeitrag · Redaktionsfassung
Faktencheck und Marktstand: 12. August 2026
Man kann Leistung addieren. Oder man kann ein Auto neu denken. AC Schnitzer tat beim ACS3 Sport CLS beides: Der S50-Sechszylinder wurde geschärft, die Karosserie erleichtert, das Fahrwerk auf Rennstreckenlogik getrimmt. Das Ergebnis war 1993 ein Gegenentwurf zum kultivierten Werks-M3 – und ein Vorgriff auf jene Leichtbau-M3, die BMW selbst erst Jahre später konsequent verwirklichte.
DAS AUTO IN EINEM SATZ
Der ACS3 Sport CLS war ein in Aachen aus BMW-M3-Coupés aufgebauter Leichtbau-Umbau mit 3,0-Liter-S50, 320 PS, rund 1.300 Kilogramm, Carbon-Kevlar-Karosserieteilen, einstellbarem Fahrwerk und Renncockpit; die oft genannte Kleinserie von 14 Fahrzeugen ist plausibel überliefert, aber nicht durch eine zugängliche Werksproduktionsliste bestätigt.[1, 5, 6, 7, 15]
Die Idee: nicht schneller ausstatten, sondern leichter denken
Der BMW M3 E36 war 1992 bewusst anders als sein kantiger, homologationsgeprägter Vorgänger E30. Der neue M3 verband Hochdrehzahlmotor und Hinterradantrieb mit deutlich mehr Komfort und Alltagstauglichkeit. Genau hier setzte AC Schnitzer an. Der CLS sollte diese zivile Grundhaltung nicht mit einem Spoilerpaket übermalen, sondern den E36 wieder näher an einen Tourenwagen rücken: weniger Masse, größere Reserven bei Fahrwerk und Bremse, direktere Information und ein Motor, der freier ausdrehen durfte.[3, 4, 5]
CLS steht für Coupé Lightweight Silhouette; in deutschsprachigen Quellen begegnet auch die sinngleiche Form Coupé Leichtbau Silhouette. Die gelegentlich verwendete Schreibweise CSL ist falsch. Sie verwechselt den Schnitzer-Namen mit der späteren BMW-M-Bezeichnung Coupé Sport Leichtbau. Gerade diese Buchstabenähnlichkeit erklärt zwar den Ruf des Autos als geistigen Vorläufer des E46 M3 CSL, sie darf aber seine eigenständige Herkunft nicht verwischen.[1, 5, 6]
Schnitzer und der Motorsport: verwandt, aber nicht identisch
AC Schnitzer entstand 1987 in Aachen als Geschäftszweig der KOHL-Gruppe, gegründet von Willi Kohl und Herbert Schnitzer. Die Marke war wirtschaftlich nicht einfach das Rennteam Schnitzer Motorsport aus Freilassing; beide Strukturen waren getrennt. Doch Name, Personen und Erfahrung verbanden sie. Die offizielle Chronik beginnt praktisch mit dem Transfer von der Strecke: 1988 starteten ACS3-Sport-Modelle der E30-Generation in Gruppe N und DTT, 1989 folgte eine straßenzugelassene Variante. Der E36 CLS setzte diese Denkbewegung fort.[1, 12]
Der Motorsportbezug des ersten CLS liegt nicht in einer formalen Homologationsrolle wie beim E30 M3. Er liegt in den Bauteilen und Prioritäten: einstellbares Fahrwerk, verstellbare Stabilisatoren, härtere Lager, gelochte Bremsen, leichte mehrteilige Räder, großflächiger Verbundwerkstoff und eine Stack-Instrumentierung aus dem Tourenwagenumfeld. Beim 1995 vorgestellten CLS II wurde der Zusammenhang noch eindeutiger: AC Schnitzer erklärte selbst, zahlreiche Komponenten seien zuvor im Gruppe-A-M3 und beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring erprobt worden.[2, 5, 7]
„a Group A touring car for the road“
Car and Driver über den ACS3 CLS, Dezember 2025 [9]
Made in Aachen: Umbau statt Fließband
Der CLS war kein eigenes BMW-Werksmodell und keine normale Ausstattungslinie. Ausgangspunkt war ein europäischer M3 E36 mit S50B30. AC Schnitzer zerlegte und verwandelte das fertige Fahrzeug in Aachen. Der Aufwand ging weit über die Montage käuflicher Tuningteile hinaus: Karosserieelemente, Interieur, Motorperipherie, Fahrwerk, Bremsen, Räder und Instrumentierung bildeten ein abgestimmtes Gesamtfahrzeug. Eine nummerierte Plakette im bekannten Chassis 007 dokumentiert den individuellen Aufbau im Februar 1995.[5, 7, 11]
Motorhaube, Front- und Heckschürze, Kotflügel, Seitenschweller und Spoilerelemente wurden aus Carbon-Kevlar gefertigt. Das Material sparte nicht nur Gewicht, sondern erlaubte die breitere, eckiger modellierte Silhouette. Innen entfielen Rückbank, große Teile der Verkleidung und schwere Seriensitze. Dünne Teppiche, Verbundwerkstoff-Türtafeln, Mittelkonsole und Hutablage sowie leichte Recaro-Schalen machten aus dem luxuriös nutzbaren M3 ein bewusstes 2+1-Auto: zwei Sitze vorn, eine dritte Schale mittig hinten.[5, 7, 18]
Der Motor: klassisches Saugmotor-Tuning statt Hubraumzauber
Das Herz blieb der 2.990 cm³ große S50B30: Reihensechszylinder, 24 Ventile, Einzeldrosselklappen und Einlass-VANOS. AC Schnitzer änderte nicht das Grundkonzept, sondern dessen Atmung. Schärfere Nockenwellen, Carbon-Kevlar-Ansaugung, Fächerkrümmer, Sportabgasanlage und überarbeitete Motronic hoben die Nennleistung von 286 auf 320 PS und das maximale Drehmoment von 320 auf 340 Nm. Der Charakter blieb damit typisch S50: nicht ein Turboschlag aus niedriger Drehzahl, sondern eine immer dringlichere Antwort bis 7.000/min.[3, 4, 5, 7]
Die zusätzliche Leistung allein erklärt den CLS nicht. Entscheidend ist das Verhältnis zur Masse. Bei rund 1.300 Kilogramm kamen etwa 4,1 kg auf ein PS; beim 1.460 Kilogramm schweren Serien-M3 waren es rund 5,1 kg/PS. Genau diese Kombination aus knapp zwölf Prozent mehr Leistung und rund elf Prozent weniger Gewicht verschob das Auto stärker, als die bloßen 34 Mehr-PS vermuten lassen.[5, 6]
Technische Highlights
Tabelle 1 · Wo aus dem M3 ein CLS wurde
| Bereich | ACS3-Sport-CLS-Lösung |
|---|---|
| Motor | S50B30 mit Sportnockenwellen, geänderter Ansaugung, Fächerkrümmer, Abgasanlage und Motronic; 320 PS/340 Nm. |
| Leichtbau | Carbon-Kevlar für Haube, Schürzen, Kotflügel, Schweller und Spoiler; reduziertes Interieur, leichte Sitze und Teppiche. |
| Fahrwerk | Höhen- beziehungsweise dämpfungsorientiert einstellbares Sportfahrwerk, verstellbare Stabilisatoren und härtere Lager. |
| Bremsen | Verstärkte Anlage mit gelochten Scheiben; auf wiederholte hohe Belastung ausgelegt. |
| Räder | Mehrteilige AC-Schnitzer-Typ-I-Rennsportfelgen, vorn 9 und hinten 10 Zoll breit, im 18-Zoll-Format. |
| Aerodynamik | Breitere Carbon-Kevlar-Silhouette, Frontsplitter, Heck- und Dachspoiler sowie strömungsgünstige Spiegel. |
| Cockpit | Stack-Digitalinstrument aus dem Tourenwagenumfeld, kleines Lenkrad, Aluminium-Pedale und -Schaltknauf. |
| Sitzkonzept | Drei leichte Rennschalen; die dritte mittig hinter Fahrer und Beifahrer statt einer Rückbank. |
Quellenabgleich: AC Schnitzer, BMW M, AUTO BILD, Motor1 und Auktionsdokumentation [2–7].
Zahlenvergleich: CLS gegen Werks-M3
Tabelle 2 · Hersteller- beziehungsweise zeitgenössische Nennwerte
| Merkmal | BMW M3 E36 3.0 | AC Schnitzer ACS3 CLS |
|---|---|---|
| Basisjahr | 1992–08/1995 | Premiere 1993; bekannte Autos bis 1995 |
| Motor | S50B30, 2.990 cm³ | S50B30, 2.990 cm³, modifiziert |
| Leistung | 286 PS bei 7.000/min | 320 PS bei 7.000/min |
| Drehmoment | 320 Nm bei 3.600/min | 340 Nm bei 3.600/min |
| Getriebe/Antrieb | 5-Gang manuell, Hinterrad | 5-Gang manuell, Hinterrad, Sperrdifferenzial |
| Gewicht | ca. 1.460 kg DIN | ca. 1.300 kg; rund 160 kg weniger |
| Leistungsgewicht | ca. 5,1 kg/PS | ca. 4,1 kg/PS |
| 0–100 km/h | 6,0 s | 5,5 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h, abgeregelt | 276 km/h, Nennwert |
| Preis | 80.000 DM laut BMW Classic | ca. 148.000 DM berichtet |
BMW-Werksdaten und mehrfach veröffentlichte Schnitzer-Nennwerte; der CLS-Preis ist kein aufgefundener Original-Preislistenbeleg [3–6].
Wie er wohl fuhr: weniger Samt, mehr Rückmeldung
Ein gut erhaltener CLS dürfte sich zunächst vertraut und dann zunehmend fremd angefühlt haben. Die Sitzposition blieb E36, der Blick über die niedrige Haube ebenso. Doch Verbundwerkstoff, dünne Dämmung und starre Schalen nahmen dem Auto den akustischen Abstand zur Mechanik. Das Fahrwerk dürfte kleine Unebenheiten härter gemeldet, auf sauberem Asphalt aber früher Vertrauen aufgebaut haben. Breite Hinterreifen und Sperrdifferenzial machten Traktion zur Stärke; die unveränderte Grundarchitektur ließ das Heck dennoch Teil der Lenkung bleiben.[5, 7, 9]
Unter 4.000/min blieb der S50 kultiviert genug für die Straße. Darüber mussten Nockenwellen, Ansaugung und Auspuff den Unterschied hörbar machen: schärferes Ansauggeräusch, weniger Filterung, unmittelbarer Lastwechsel. Car and Driver fasste den Wagen 2025 als Group-A-Tourenwagen für die Straße zusammen; AUTO BILD sprach vom Rennstreckentier. Das sind moderne Rückblicke, keine periodischen Messfahrten. Sie treffen dennoch das technische Konzept: Der CLS sollte den Fahrer beschäftigen, nicht entlasten.[5, 9]
Stückzahl: vierzehn – mit einem großen Sternchen
Die am häufigsten genannte Zahl lautet 14. AUTO BILD schrieb 2021 ausdrücklich, insgesamt sollen 14 Fahrzeuge entstanden sein, die Zahl sei jedoch nicht bestätigt. Auch spätere Marktquellen bezeichnen Chassis 007 als eines von 14. Dem steht eine widersprüchliche Auktionsmetadaten-Angabe von 75 gegenüber; selbst innerhalb der Berichterstattung zum selben Auto wechseln 14 und 75. Die öffentlich zugängliche AC-Schnitzer-Chronik nennt Premiere und Modell, aber keine Produktionszahl.[1, 5, 7, 10, 11, 15]
Seriös formuliert lautet das Ergebnis deshalb: eine extrem kleine, nummerierte Umbaufolge, in der Literatur meist mit 14 Exemplaren angegeben; eine zweifelsfreie Werksbestätigung fehlt. Für Sammler ist das kein Nebendetail. Eine echte CLS-Plakette, eine durchgehende Fahrzeughistorie, alte Rechnungen, Fotodokumentation des Umbaus und die Zuordnung der Carbon-Kevlar-Teile sind wichtiger als eine oft kopierte Stückzahl im Verkaufstext.[5, 7, 15]
Der CLS II: die Idee wird zum Technologieträger
1995 radikalisierte AC Schnitzer das Konzept mit dem CLS II. Die offizielle Firmenchronik führt ihn als Konzeptstudie, nicht als reguläre Folgeserie. Der Motor wurde umfassend neu aufgebaut: ausgewogene Pleuel, feingewuchtete Kurbelwelle, große Airbox und spezielle Steuerung brachten 350 PS und 355 Nm. AC Schnitzer nannte 5,1 Sekunden auf 100 km/h und 290 km/h Spitze. Ein elektrisch verstellbarer Heckflügel, verkleidete Unterbodenbereiche, 18-Zoll-Räder bis 10,5 Zoll Breite hinten und das RS-Fahrwerk machten ihn zum rollenden Entwicklungsprogramm.[2, 19]
Der CLS II ist deshalb nicht einfach eine stärkere Ausstattungsvariante des hier gewürdigten ACS3 CLS. Er ist dessen öffentlicher Epilog und Beweisstück: AC Schnitzer wollte zeigen, wie weit der E36 zwischen Straßenzulassung, Alltagstauglichkeit und Renntechnik gedehnt werden konnte. Dass AC Schnitzer selbst ihn einen reinrassigen Renntourenwagen für den Straßeneinsatz nannte, war ungewöhnlich präzise.[2]
Alpina und Hartge: drei andere Antworten auf denselben E36
Der Markt der Neunziger war reich an BMW-Spezialisten, aber arm an direkten CLS-Gegnern. Alpina und Hartge bauten ebenfalls schnelle E36, verfolgten jedoch andere Philosophien. Alpina verstand seine Autos stärker als kultivierte Hochgeschwindigkeits-Gran-Turismo; Hartge bot eine Vielzahl von Motor-, Fahrwerks- und Komplettumbauten. Keines dieser Konzepte kopierte die Kombination aus M3-Basis, großflächigem Carbon-Kevlar, 2+1-Renncockpit und konsequentem Leichtbau.[13, 14, 20]
Tabelle 3 · Zeitgenössische E36-Spezialisten im Vergleich
| Modell | Technik | Charakter gegenüber CLS |
|---|---|---|
| Alpina B3 3.0 | 3,0-l-R6, 250 PS/320 Nm; 1993–1996 je nach Karosserie. | Schneller, luxuriöser Alltags-GT; kein radikaler Leichtbau und leistungsschwächer als M3/CLS. |
| Alpina B8 4.6 | 4,6-l-V8, 333 PS/470 Nm, 6-Gang; 221 Fahrzeuge über alle Karosserien. | Ähnlich exklusiv und schneller Langstrecken-GT, aber über Hubraum und Drehmoment statt Gewichtsdiät. |
| Hartge H3-3.0 | 3,0-l-R6-Triebwerkbausatz mit 250 PS für 325i; Fahrwerk und Zubehör modular kombinierbar. | Individuelle Tuner-Alternative, jedoch keine dokumentierte, dem CLS gleichartige Leichtbau-Kleinserie. |
| BMW M3 GT | Werks-Sondermodell: 295 PS, Aluminiumtüren, Aerodynamikpaket; 350 Stück laut BMW M. | Der engste BMW-interne Gegenpol, aber deutlich seriennäher, schwerer und weniger leistungsstark. |
Alpina-Archiv, technische Datensammlung, Hartge-Produktdokumentation und BMW M; Produktionszahlen sind nicht über Modellfamilien hinweg direkt vergleichbar [3, 13, 14, 20].
Preis bei Erscheinen: fast zwei M3
BMW Group Classic nennt für den M3 3.0 einen Grundpreis von 80.000 DM. Für den ACS3 CLS ist in den zugänglichen Quellen keine originale deutsche Preisliste auffindbar. AUTO BILD überlieferte beim Verkauf von Chassis 007 einen damaligen Neupreis von umgerechnet 75.670 Euro. Mit dem festen Euro-Umrechnungskurs entspricht das rund 148.000 DM. Das war ungefähr das 1,85-Fache eines M3 – plausibel angesichts der Handarbeit, aber als berichtete Fahrzeughistorie und nicht als archivalisch gesicherte Listenpreiszeile zu behandeln.[4, 5]
Damit stand der CLS außerhalb der normalen M3-Kaufentscheidung. Er konkurrierte preislich weniger mit einer Sonderausstattung als mit handgebauten Sportwagen. Wer ihn bestellte, bezahlte doppelt: zunächst für einen der besten Saugmotor-Dreier seiner Zeit – und dann dafür, dass AC Schnitzer viele seiner zivilen Eigenschaften wieder entfernte.[5, 6]
Preisentwicklung 2021 bis 2026: ein Auto ist noch kein Markt
Für einen Wagen mit mutmaßlich nur einer niedrigen zweistelligen Stückzahl existiert keine belastbare Preisstatistik. Die letzten fünf Jahre zeigen im Wesentlichen Chassis 007: 2021 in Hongkong angeboten, später in die USA gelangt, 2025 versteigert und 2026 in Händlerfeeds erneut zum Auktionspreis geführt. Deshalb ist die folgende Übersicht keine Indexkurve, sondern eine dokumentierte Marktchronik. Jahre ohne öffentlich nachvollziehbare Transaktion werden nicht mit Schätzungen aufgefüllt.[5, 7, 10, 11, 16]
Tabelle 4 · Öffentliche Marktbeobachtungen der letzten fünf Jahre
| Jahr | Beobachtung | Einordnung |
|---|---|---|
| 2021 | Angebot Chassis 007: ca. €126.648; rund 48.300 km. | Angebotspreis, kein veröffentlichter Zuschlag; AUTO BILD nennt 14 Exemplare ausdrücklich unbestätigt. |
| 2022 | Keine verifizierte öffentliche CLS-Transaktion gefunden. | Bei dieser Stückzahl ist Marktstille normal und kein Wertverlustsignal. |
| 2023 | Keine verifizierte öffentliche CLS-Transaktion gefunden. | MOT-Dokumente zu Chassis 007 belegen Nutzung, aber keinen Marktpreis. |
| 2024 | Verkauf an den späteren US-Anbieter berichtet; Preis nicht veröffentlicht. | Besitzwechsel ohne offengelegte Gegenleistung ist kein Marktwertpunkt. |
| 2025 | BaT-Zuschlag $188.000; Hagerty erfasst $195.500 inklusive Gebühren. | Seltenes, internationales Auktionsergebnis für Chassis 007; 30.000 Meilen. |
| 2026 | Händlerfeed mit $188.000 für offenbar dasselbe Fahrzeug. | Angebot entspricht dem Zuschlag; keine zweite unabhängige Transaktion. |
Währungen und Preisarten bleiben getrennt. Zuschlag, All-in-Ergebnis und Angebotspreis dürfen nicht gleichgesetzt werden [5, 7, 8, 10, 11, 16].
Sammlerauto: extrem rar – und deshalb schwer zu bewerten
Der CLS ist zweifellos sammelwürdig, aber nicht automatisch liquide. Sein Käuferkreis ist kleiner als beim Werks-M3 GT oder E46 M3 CSL: Man muss E36, Neunzigerjahre-Tuning, Schnitzer-Historie und nicht werkseitige Umbauten zugleich schätzen. Dafür bietet er etwas, das ein Serien-Sondermodell nicht bieten kann – die Handschrift einer Epoche, in der ein Tuner ein komplettes Auto als technische These baute.[5, 9, 15]
Der hohe Zuschlag von 2025 zeigt Zahlungsbereitschaft für ein gut dokumentiertes Exemplar, aber keine allgemeine Taxe. Eine andere Lackierung, nachgerüstete Fahrwerke, fehlende Stack-Instrumente, beschädigte Carbon-Kevlar-Teile, unbelegte Motormodifikationen oder eine nicht nachvollziehbare Plakette könnten den Wert massiv verändern. Beim CLS ist Originalität nicht nur die Frage, ob ein BMW-Teil stimmt – sondern ob der Zustand dem damaligen Schnitzer-Umbau entspricht.[7, 10, 11]
Kurzer Prüfplan für einen echten CLS
| Prüffeld | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Identität | BMW-Fahrgestellnummer, Schnitzer-Plakette, Umbauzeitpunkt, alte Rechnungen und lückenlose Eigentümerkette abgleichen. |
| Karosserie | Carbon-Kevlar-Struktur, Befestigungen, Reparaturen, Lackaufbau und Passungen der breiten Kotflügel prüfen. |
| Motor | Sportnocken, Ansaugung, Abgasanlage und damalige Motronic-Spezifikation dokumentieren; Kompression und VANOS testen. |
| Fahrwerk/Bremse | Periodenkorrekte Schnitzer-Komponenten, Verschleiß, Ersatzteilverfügbarkeit und Eintragungen kontrollieren. |
| Cockpit | Stack-Anzeige, drei Recaro-Schalen, Verbundwerkstoff-Verkleidungen, Teppiche und Bedienkomponenten auf Echtheit prüfen. |
| Zulassung | Umbauten, Geräusch, Räder, Bremsen und Sitzkonzept anhand nationaler Papiere und Gutachten verifizieren. |
Redaktionelle Kaufprüfung aus den dokumentierten Umbauten abgeleitet; eine Begutachtung durch Marken- und Verbundwerkstoff-Spezialisten bleibt unerlässlich.
Das Erbe: Leichtbau vor dem Kürzel CSL
Der ACS3 CLS hat BMW nicht unmittelbar zu einem Serienmodell gezwungen. Sein Erbe ist subtiler. Er bewies, dass die komfortablere E36-Generation dieselbe radikale Behandlung vertrug wie ein homologationsnahes Coupé: Verbundwerkstoff, weniger Sitze, mehr Motorantwort, stärkere Bremsen und eine Karosserie, deren Form aus Funktion entstand. Der 1995er BMW M3 GT blieb seriennäher; erst der E46 M3 CSL machte Leichtbau und M3 wieder zu einer weithin bekannten Werksformel.[3, 5, 6]
2026 erhält diese Geschichte zusätzliche Endgültigkeit: Die KOHL-Gruppe hat angekündigt, den Geschäftsbetrieb von AC Schnitzer als Hersteller von Tuningteilen zum Jahresende einzustellen; Lagerverkauf sowie Service sollen darüber hinaus fortgeführt werden. Ob die Marke in anderer Form weiterlebt, ist offen. Für den CLS bedeutet das keine automatische Wertsteigerung – wohl aber, dass sein Platz als frühes, vollständiges Aachener Gesamtfahrzeug noch deutlicher hervortritt.[12]
Fazit: die seltenste Form von Konsequenz
Der AC Schnitzer ACS3 Sport CLS ist nicht der beste E36 für jeden Tag, nicht der am saubersten dokumentierte Kleinserien-BMW und vielleicht nicht einmal der seltenste E36-Umbau. Aber er ist einer der klarsten. Alles an ihm folgt derselben Idee: Masse heraus, Rückmeldung hinein. Der Motor blieb ein S50, doch er atmete freier; die Karosserie blieb als E36 erkennbar, doch sie bestand teilweise aus Rennmaterial; der Innenraum blieb benutzbar, doch nur für drei Menschen, die akzeptierten, dass jedes Kilogramm eine Frage war.[2, 5, 6]
Seine Marktbewertung muss nüchtern bleiben. Ein Zuschlag von 188.000 Dollar ist ein starkes Signal, aber noch keine Preiskurve. Die Stückzahl 14 ist gut überliefert, aber nicht zweifelsfrei belegt. Gerade diese Lücken machen den CLS nicht weniger faszinierend; sie machen sorgfältige Provenienz zum wichtigsten Bauteil. Als Hommage verdient er daher keine Legende ohne Fußnoten, sondern Bewunderung mit offenen Augen. Er war der M3, den BMW nicht baute – und den ein kleines Team in Aachen nur bauen konnte, weil Vernunft nicht das Lastenheft schrieb.[5, 7, 8, 15]
Quellen
[1] AC Schnitzer: Firmenchronik – Gründung, Motorsportstationen, IAA-Premiere ACS3 CLS 1993.
[2] AC Schnitzer: CLS II – offizielle Technik- und Motorsportdokumentation.
[3] BMW M: BMW M3 E36 – Motor, VANOS, Fahrleistungen und M3 GT.
[4] BMW Group Classic: BMW M3 Coupé E36, 286 PS – Bauzeit, Motor, Preis und Spitze.
[5] AUTO BILD KLASSIK, 05.03.2021: ACS3 Sport CLS Chassis 007 – Technik, Gewicht, Preis und Stückzahlhinweis.
[6] Motor1, 2026: AC Schnitzer ACS3 CLS – Rückblick mit 320 PS, 160 kg Gewichtsersparnis und Fahrleistungen.
[7] Bring a Trailer, 19.12.2025: Auktion Chassis WBSBF91000JC39743, Zuschlag 188.000 US-Dollar.
[8] Hagerty Valuation Tools: Chassis 007, All-in-Ergebnis 195.500 US-Dollar, 19.12.2025.
[9] Car and Driver, 14.12.2025: ACS3 CLS – Technik und Einordnung als Tourenwagen für die Straße.
[10] The Classic Valuer: Auktionsergebnis, Fahrzeughistorie und gemeldete 14 Umbauten.
[11] Sports Car Digest: Marktdokumentation Chassis 007 und Besitzerwechsel 2024.
[12] AC Schnitzer, 2026: Mitteilung zur Einstellung des Herstellerbetriebs zum Jahresende 2026.
[13] Alpina Archive: BMW Alpina B8 4.6 E36 – 333 PS, 470 Nm, 221 Fahrzeuge und Konstruktion.
[14] Hartge-Produktdokumentation E36: H3-Motorprogramme, darunter H3-3.0 mit 250 PS.
[15] BMWBLOG, 15.12.2025: Einordnung der widersprüchlichen Produktionsangaben zum ACS3 CLS.
[16] JamesEdition, 2026: Händlerfeed für einen ACS3 CLS zu 188.000 US-Dollar.
[17] AC Schnitzer Japan: Firmenchronik – ACS3 CLS 1993 und CLS II als Konzeptstudie 1995.
[18] TopGear Nederland: ACS3 CLS – Leichtbau, drei Sitze und Fahrleistungen.
[19] auto motor und sport: AC Schnitzer CLS II – 350 PS und zeitgenössische Preiseinordnung.
[20] Auto-Data: BMW Alpina B3 3.0 E36 – 250 PS, 320 Nm und Produktionszeitraum.
Bildnachweise
- Lizenziert · Charles from Port Chester, New York · CC BY 2.0





































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