Es gibt E30, die man kauft, weil sie selten sind. Und es gibt E30, die man kauft, weil jemand sie 32 Jahre lang nicht hergegeben hat. Dieser BMW 325iX Touring ist beides.
Am 7. Dezember 1990 wurde er in Brillantrot erstmals zugelassen — als Tageszulassung auf BMW selbst, wie es damals bei Vorführ- und Lagerwagen üblich war. Drei Jahre bei einem ersten privaten Halter, dann, 1994, kam er zu der Frau, bei der er bis heute geblieben ist. Zwei Menschen, die ihn gefahren haben. Drei Einträge im Brief, wenn man BMW mitzählt. Für einen Touring, der über 35 Jahre und 238.882 Kilometer hinter sich hat, ist das keine Historie, das ist eine Biografie.


Was den BMW 325iX Touring so selten macht
Der 325iX war BMWs erster Allrad-Pkw. Ab 1985 als Limousine, ab 1988 auch als Touring, gebaut bis 1991. Der Antrieb stammt aus der Zusammenarbeit mit Ferguson: permanenter Allrad, 37 Prozent der Kraft nach vorn, 63 nach hinten, Viskokupplungen im Verteilergetriebe und im Hinterachsdifferenzial. Das Auto fühlt sich deshalb wie ein Hecktriebler an, der nicht mehr wegrutscht — und genau das war die Idee: kein Geländewagen, sondern ein 3er für Leute, die im Winter in die Berge wollten.
Der Motor ist der M20B25, der 2,5-Liter-Reihensechszylinder mit 170 PS, der die späten E30 zu dem gemacht hat, was sie heute sind: kultiviert, drehfreudig, im Ton unverwechselbar. Hier ist er mit dem Vierstufen-Automatikgetriebe kombiniert. Puristen ziehen die Stirn kraus, wer das Auto fährt, versteht es: Ein Allrad-Touring mit Automatik ist ein Reisewagen, kein Sportgerät, und als solcher ist er selten geblieben. Der Touring machte nur einen kleinen Teil der iX-Produktion aus, die Automatik davon noch einmal einen Bruchteil.



Ein Ordner, der bis 1995 zurückreicht
Das Wertvollste an diesem Auto passt nicht auf ein Foto. Es ist ein Rechnungsordner, der die Wartung bis 1995 zurück lückenlos nachvollziehbar macht, dazu ein Serviceheft mit zahlreichen Einträgen. Viele der Arbeiten wurden direkt bei BMW gemacht — die Halterin hat nicht gespart und nicht improvisiert. Wer jemals versucht hat, die Historie eines 30 Jahre alten E30 zu rekonstruieren, weiß, was das bedeutet: Man muss hier nichts glauben, man kann nachlesen.
Der jüngste Eintrag ist der teuerste: Im Oktober 2025 bekam der Touring bei BMW eine große Inspektion II für 6.476,60 Euro. Zahnriemen neu, vier neue Reifen, alles, was zur Inspektion II dazugehört. Die Hauptuntersuchung wurde ohne Mängel bestanden und gilt bis November 2027. Der nächste Halter übernimmt also kein Projekt, sondern ein Auto, das gerade erst fällig war.
Brillantrot 308
Brillantrot ist die Farbe, die den E30 in Erinnerung gehalten hat — kein Metallic, kein Perleffekt, ein Uni-Rot, das mit der Sonne arbeitet. Der Lack zeigt kräftigen Glanz und die Gebrauchsspuren, die zu einem authentisch erhaltenen Wagen gehören. Ein Kotflügel wurde in der Vergangenheit bei BMW lackiert, ein Farbunterschied ist nicht zu sehen. Und am hinteren Seitenteil sitzt eine Delle, die bewusst nicht kaschiert wurde. Sie steht im Inserat, sie steht hier, und sie ist auf den Bildern zu sehen. So gehört sich das.












Hellgraues Leder und ein Lenkrad, das man sucht
Innen: hellgraues Leder, Komfortsitze, und eine Patina, die genau so aussieht, wie 238.000 Kilometer mit Sorgfalt aussehen. Keine Risse, keine durchgesessenen Wangen, das Leder ist weich geblieben. Was Kenner zuerst sehen, ist das Lenkrad: das kleinere M-Technik-II-Sportlenkrad mit 370 Millimetern Durchmesser, das seinerzeit als Zubehör kam und heute eines der gesuchtesten Teile am E30 ist. Es gehört zu diesem Auto, es wurde nicht nachträglich hineingekauft.





















Motorraum: nach dem Trockeneis
Der Motorraum wurde vor Kurzem mit Trockeneis gereinigt. Das Verfahren nimmt 35 Jahre Werkswachs, Straßenfilm und Ölnebel ab, ohne Wasser und ohne Chemie — und es legt frei, was darunter ist. Bei diesem Wagen: originale Aufkleber, unversehrte Lackierung im Motorraum, kein Rostansatz an den Domen. Wie das genau ging und was dabei zum Vorschein kam, steht in einem eigenen Beitrag: Trockeneis im Motorraum — wie ein 325iX Touring seinen Werkswachs los wird.









Der 325iX Touring von unten
Wer einen E30 kauft, kauft den Unterboden. Deshalb steht dieser BMW 325iX Touring hier auf der Bühne. Die Aufnahmen zeigen, was der Lack nicht sagen kann: Schweller, Wagenheberaufnahmen, Längsträger, den Allradstrang mit Verteilergetriebe und Kardanwelle nach vorn, die Auspuffanlage, die Hinterachse. Nichts davon ist aufgehübscht, alles davon ist zu sehen.




















Der BMW 325iX Touring im Video
Was man wissen muss
Der Wagen ist unrestauriert und original, und das heißt beides: Er ist ehrlich, und er ist nicht neu. 238.882 Kilometer stehen auf der Uhr. Ein Kotflügel ist neu lackiert, hinten sitzt die erwähnte Delle. Es ist ein Automatik, und es ist ein Allrad — wer einen Schalter sucht, sucht ein anderes Auto. Wer aber einen BMW 325iX Touring sucht, der seine Geschichte nicht behauptet, sondern in einem Ordner mitbringt, findet nicht viele. Dieser steht in Berlin.
Fragen zum Wagen? Über die Fahrzeugseite in der Garage von danielM3 erreichst Du den Halter direkt.





































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