01 · Überblick
Der Vierventiler unterhalb des M3
1989 stellte BMW dem E30 einen Motor zur Seite, den es bis dahin so nicht gab: den M42B18. 1.796 cm³, vier Ventile je Zylinder, zwei obenliegende Nockenwellen, 136 PS bei 6.000/min. BMW Group Classic beschreibt die Absicht mit dem Motto „Mehr Auto, mehr Motor, mehr Sport“ und nennt die Vierventiltechnik ausdrücklich eine Technik, die man aus dem Motorsport übernahm.
Der M42 ist eine Weiterentwicklung des M40. Das Kurbelgehäuse wurde unverändert übernommen; alles darüber ist neu. Statt einer Nockenwelle zwei, statt zwei Ventilen vier, statt Zahnriemen eine Doppelrollenkette mit hydraulischem Spanner, dazu hydraulischer Ventilspielausgleich und eine höhere Verdichtung von 10,0:1. Damit ist der 318is der einzige Serien-E30 mit Steuerkette — das gesamte Zahnriementhema des M20 entfällt bei ihm.
Dazu kamen ab Werk ein Sportfahrwerk und Scheibenbremsen rundum, was im Vierzylinder-E30 sonst nicht üblich war. Der Katalysator war serienmäßig; eine Version ohne Kat gab es nie.
Eine Präzisierung, weil sie oft falsch weitergegeben wird: Der BMW PressClub nennt den 318is den „ersten Vierzylinder mit Vierventil-Technik“ der 3er Reihe. Das stimmt nur, wenn man den S14 des M3 von 1985 ausnimmt — der ist ebenfalls ein Vierzylinder mit vier Ventilen je Zylinder. Richtig ist: der erste Vierventil-Vierzylinder im Volumenprogramm des E30, außerhalb der M GmbH.
02 · Historie
Zwei Jahre in vier Daten
Der kürzeste Lebenslauf im E30-Programm.
- 1989 Der 318is kommt mit dem neuen M42B18. 136 PS, Sportfahrwerk, Scheibenbremsen rundum, Shadowline. Preis 33.600 Mark.
- 1990 Baur baut auf Basis des 318is 97 Topcabriolets, davon 29 als Rechtslenker. Preis 41.550 Mark.
- 1991 Nach 41.234 Exemplaren endet die Produktion zusammen mit der zweitürigen E30-Limousine.
- 1992 Der M42 wandert in den E36 und bleibt dort bis 1996 im Programm.
03 · Modellübersicht
Der 318is im Programm
Zum Vergleich die beiden Nachbarn: der M40 als gewöhnlicher Vierzylinder derselben Größe und der S14 des M3, der ebenfalls ein Vierventil-Vierzylinder ist.
Quelle: Werks- und Literaturangaben · geprüft
Technische Daten anzeigen — komplette Modellmatrix
| Modell | Motor | Hubraum | Leistung | Bauzeit |
|---|---|---|---|---|
| 318is | M42B18 | 1.796 cm³ | 136 PS (100 kW) | 1989–1991 |
| 318i (zum Vergleich) | M40B18 | 1.796 cm³ | 113 PS (83 kW) | 1987–1991 |
| M3 (zum Vergleich) | S14B23 | 2.302 cm³ | 195 bis 215 PS | 1986–1991 |
04 · Karosserievarianten
Karosserievarianten
Zweitürige Limousine

Die einzige Werkskarosserie des 318is. Ein Cabriolet gab es vom Werk nicht — das E30-Vollcabrio kam als 320i, 325i, ab 1990 als 318i und als M3, nie als 318is. Auch einen touring gab es mit dem M42 nicht.
Baur Topcabriolet
Die einzige offene Variante: 97 Fahrzeuge, davon 29 Rechtslenker, umgebaut von Baur in Stuttgart. Preis 1990: 41.550 Mark. Zwei unabhängige Quellen nennen dieselbe Stückzahl.
05 · Motoren
Der M42
Kurbelgehäuse vom M40, alles darüber neu. Der M42 ist der einzige Serienmotor des E30 mit Steuerkette und der einzige Vierzylinder der Baureihe mit vier Ventilen je Zylinder außerhalb der M GmbH.
M42B18 · 1.796 cm³ · 136 PS geprüft
Bohrung 84,0 mm, Hub 81,0 mm, Verdichtung 10,0:1. 136 PS bei 6.000/min, 172 Nm bei 4.600/min. Gesteuert wird über eine Bosch Motronic M1.7 mit ruhender Zündung und einer Zündspule je Zylinder. Zwei Dinge unterscheiden ihn technisch vom Rest des E30-Programms. Erstens die Doppelrollenkette mit hydraulischem Spanner statt eines Zahnriemens — damit entfällt das Wechselintervall, das beim M20 über Wohl und Wehe entscheidet. Zweitens der hydraulische Ventilspielausgleich über Tassenstößel; der M20 hat ihn ausdrücklich nicht. Eine Nicht-Kat-Version gab es nie. Der M42 kam ausschließlich mit geregeltem Katalysator.
Technische Daten anzeigen
| Bauart | Reihenvierzylinder M42, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile je Zylinder |
| Antrieb der Nockenwellen | Doppelrollenkette mit hydraulischem Spanner |
| Hubraum | 1.796 cm³ |
| Bohrung × Hub | 84,0 × 81,0 mm |
| Verdichtung | 10,0:1 |
| Leistung | 136 PS (100 kW) bei 6.000/min |
| Drehmoment | 172 Nm bei 4.600/min |
| Motorsteuerung | Bosch Motronic M1.7, ruhende Zündung mit einer Spule je Zylinder |
| Ventiltrieb | Tassenstößel mit hydraulischem Ventilspielausgleich |
| Katalysator | serienmäßig, keine Version ohne Kat |
| Bauzeit des Motors | 1989 bis 1996, im E30 bis 1991 |
Quellen: BMW Group Classic, Wikipedia DE und EN (BMW M42, BMW M40).
06 · Schwachstellen
Zuverlässigkeit & Schwachstellen
- Die Profildichtung des unteren Steuergehäuses an der Stirnseite des Motors. Wird sie undicht, gelangen heißes Kühlmittel und Dampf ins Öl — im schlimmsten Fall bis zum Lagerschaden. Beide Wikipedia-Fassungen beschreiben den Mechanismus unabhängig voneinander, die deutsche schreibt: davon sollen alle M42 betroffen sein. Das ist der zentrale Punkt bei diesem Motor.
- Als Folge davon wird häufig die Zylinderkopfdichtung verdächtigt, obwohl die Ursache vorne im Steuergehäuse liegt. Wer einen 318is kauft, sollte gezielt danach fragen und den Reparaturnachweis sehen wollen.
- Steuerkettenspanner und Kettenschienen verschleißen. Geänderte Kunststoffschienen gab es erst ab September 1993 — alle E30-318is haben also die frühe Ausführung.
- Der Zahnriemen entfällt als Thema. Das ist gegenüber dem M20 ein echter Vorteil und ein Argument, das beim Vergleich 318is gegen 325i oft übersehen wird.
- Rost ist beim 318is dasselbe Thema wie bei jedem E30 — siehe Kaufberatung.
- Ausgeschlagene Tonnenlager der Hinterachse, Traggelenke vorn, poröse Gummibuchsen und die störanfällige hydraulische Leuchtweitenregulierung gelten baureihenweit.
07 · Technik
Fahrwerk, Bremsen, Getriebe
Fahrwerk
Bremsen
Getriebe und Achse
Gewicht
Technische Daten — Achsübersetzungen & Getriebe
- Leergewicht
- 1.125 kg
- Achsübersetzung
- 4,10:1
- Getriebe
- Fünfganggetriebe
- Sperrdifferenzial
- nicht serienmäßig
- Fahrwerk
- M-Technik-Sportfahrwerk, 15 mm tiefer vorn, 17 mm tiefer hinten
- Stabilisatoren
- 20,0 mm vorn, 14,5 mm hinten
- Bremsen
- Scheiben rundum, vorn innenbelüftet
- Höchstgeschwindigkeit
- 205 km/h nach BMW Group Classic
- Beschleunigung 0–100 km/h
- rund 10 Sekunden — keine Leitquelle, zwei Sekundärquellen nennen 9,9 und 10,0 s
- Abweichende Angabe zur Höchstgeschwindigkeit
- 202 km/h nach einer Datenbankquelle. Wir folgen den 205 km/h von BMW Group Classic, nennen die Abweichung aber. Nicht belegbar und deshalb nicht aufgeführt: Getriebetyp, einzelne Gangübersetzungen, Bremsendurchmesser, Lenkungstyp und Lenkübersetzung.
08 · Kaufberatung
Worauf es ankommt: die Profildichtung
Beim 318is läuft die Kaufberatung anders als beim 325i. Der Zahnriemen fällt weg, dafür rückt ein einzelnes Bauteil in den Mittelpunkt: die Profildichtung am Steuergehäuse. Alles andere ist normales E30-Programm.
Knotenbleche hinter den Vorderrädern, Übergang A-Säule zu Schweller — der kritischste Punkt am E30.
Batteriekasten und der Bereich darunter.
Hintere Radläufe.
Schweller und Wagenheberaufnahmen.
Kofferraum: Reserveradmulde, Bereich hinter den Rückleuchten, Heckabschlussblech.
Frontscheibenrahmen.
Die Reihenfolge lautet: erst Blech, dann die Frage nach der Profildichtung, dann alles Übrige. Ein 318is mit dokumentierter Instandsetzung an der Motorstirnseite ist mehr wert als einer mit weniger Kilometern und offener Historie.
09 · Die Konkurrenz
Die Konkurrenz
VW Golf GTI 16V
Der Maßstab des Segments. Frontantrieb, leichter, praktischer, im Grenzbereich weniger fein. Der 318is kontert mit Hinterradantrieb, Steuerkette und der Karosseriequalität einer Klasse darüber — und ist entsprechend teurer.
Opel Kadett GSi 16V
Der leistungsstärkste der drei, ebenfalls Frontantrieb. Preislich klar unter dem BMW, im Ansehen und im Werterhalt deutlich darunter.
Mercedes-Benz 190 E 2.0 (W201)
Der einzige direkte Gegner mit derselben Grundkonzeption: Stufenheck, Hinterradantrieb, Premiumanspruch. Komfortabler abgestimmt, aber ohne Vierventiltechnik.
10 · Galerie
Bilder
Der einzige Zweitürer, den es vom 318is gab — dazu der M42.





11 · Quellen
Belege & Literatur
Leitquellen sind BMW Group Classic, der BMW PressClub und Wikipedia. Angaben aus anderen Quellen haben wir mindestens doppelt geprüft. Wo nur eine Quelle vorlag, steht die Angabe nicht auf dieser Seite.
