Modelle & Technik · Variante der Baureihe E9

BMW 3.0 CSi

Zwanzig PS mehr als der Vergaser, und die Grundlage für alles, was danach kam.

BMW 3.0 CSi der Baureihe E9 in Nachtblau metallic von der Seite
BMW 3.0 CSi (E9) in Nachtblau metallic, Seitenansicht von links. Baujahr 1971, erstzugelassen im Juni 1972 in Italien.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH

Bauzeit

1971–1975

Variante der Baureihe E9

Motor

M30

2.985 cm³ · Bosch D-Jetronic

Leistung

200 PS

147 kW — 20 PS über dem 3.0 CS

Karosserie

Coupé

Rohbau bei Karmann in Rheine

Baureihe

E9

30.546 Coupés insgesamt

01 · Überblick

Der Einspritzer

1971 löste der 3.0 CS den 2800 CS ab, und im selben Jahr stellte BMW ihm den 3.0 CSi zur Seite. Der Unterschied steckt im Buchstaben: Statt zweier Zenith-Vergaser arbeitet im CSi die Bosch D-Jetronic, die erste elektronisch gesteuerte Saugrohreinspritzung in einem BMW-Coupé. Aus denselben 2.985 cm³ werden damit 200 statt 180 PS.

Wichtiger als die zwanzig PS ist, was sie möglich machten. Der CSi ist die technische Grundlage des 3.0 CSL — die zweite CSL-Stufe von 1972 übernimmt genau diese Einspritzung und kommt mit 3.003 cm³ ebenfalls auf 200 PS, nur eben in einer Karosserie, aus der BMW rund zweihundert Kilogramm herausoperiert hatte. Ohne den CSi kein CSL, ohne CSL keine sechs Europameistertitel.

Im Alltag ist der CSi das ausgewogenste Coupé der Baureihe: die Leistung des CSL, aber mit Dämmung, Kurbelfenstern aus Glas, vollwertigen Fondsitzen und einer Karosserie, die nicht aus Aluminium und Plexiglas zusammengesetzt ist. Wer einen E9 zum Fahren sucht und nicht zum Ausstellen, sucht diesen.

02 · Historie

Der CSi in der Baureihe

Vier Daten, die erklären, wo der 3.0 CSi in der E9-Geschichte steht.

  1. 1968 Die Baureihe E9 startet als 2800 CS mit 170 PS aus 2.788 cm³ und Vergasern. Der Rohbau entsteht bei Karmann im Werk Rheine, die Endmontage in München.
  2. 1971 Der 3.0 CS löst den 2800 CS ab: 2.985 cm³, 180 PS — und, deutlich wichtiger, Scheibenbremsen an allen vier Rädern statt Trommeln hinten. Parallel kommt der 3.0 CSi mit Bosch D-Jetronic und 200 PS.
  3. 1972 Die zweite CSL-Stufe übernimmt die Einspritzung des CSi. Mit 3.003 cm³ kommt sie auf dieselben 200 PS — die achtzehn zusätzlichen Kubikzentimeter waren reine Reglement-Arithmetik für die Rennklasse über drei Liter.
  4. 1975 Im November endet die Produktion der Baureihe nach 30.546 Coupés. Einen direkten Nachfolger gibt es erst 1976 mit dem E24 — und der hat, anders als der E9, eine B-Säule.

03 · Modellübersicht

Der CSi im Vergleich

Alle Varianten der Baureihe nebeneinander. Man sieht gut, wo der CSi steht: gleicher Hubraum wie der 3.0 CS, aber zwanzig PS mehr — und dieselbe Leistung wie die zweite CSL-Stufe, nur ohne deren Leichtbau.

Quelle: Werks- und Literaturangaben · geprüft

Technische Daten anzeigen — komplette Modellmatrix
Modell Motor Hubraum Leistung Bauzeit
2800 CS M30 · Vergaser 2.788 cm³ 170 PS (125 kW) 1968–1971
2,5 CS M30 · Vergaser 2.494 cm³ 150 PS (110 kW) 1974–1975
3.0 CS M30 · Vergaser 2.985 cm³ 180 PS (132 kW) 1971–1975
3.0 CSi M30 · Bosch D-Jetronic 2.985 cm³ 200 PS (147 kW) 1971–1975
3.0 CSL (Stufe 1) M30 · Vergaser 2.985 cm³ 180 PS (132 kW) 1971–1972
3.0 CSL (Stufe 2) M30 · D-Jetronic 3.003 cm³ 200 PS (147 kW) 1972–1973
3.0 CSL „Batmobil“ M30 · D-Jetronic 3.153 cm³ 206 PS (151 kW) 1973–1975

04 · Karosserievarianten

Karosserievarianten

Coupé (E9)

BMW 3.0 CSi der Baureihe E9 von schräg hinten rechts
Der E9 von schräg hinten rechts. Die rahmenlosen Seitenscheiben und die fehlende B-Säule machen das Coupé zum echten Hardtop.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH

Zweitüriges Coupé ohne B-Säule — bei geöffneten Fenstern entsteht die durchgehende Fensterfläche, die den E9 vom Nachfolger E24 unterscheidet. Der Rohbau entstand bei Karmann im Werk Rheine, nicht in Osnabrück; Osnabrück ist der Stammsitz des Unternehmens. Der hohe Handarbeitsanteil erklärt die Passungen ebenso wie den Preis: Ein 3.0 CSi kostete 1972 rund das Doppelte einer gut ausgestatteten 2002-Limousine.

05 · Motoren

M30 mit Bosch D-Jetronic

Der CSi hat denselben Grundmotor wie alle E9 — den großen Sechszylinder M30. Der Unterschied liegt in der Gemischaufbereitung.

M30 — 2.985 cm³, 200 PS geprüft

Graugussblock, Aluminiumkopf, eine obenliegende Nockenwelle, Steuerkette statt Zahnriemen. Der M30 gilt als einer der langlebigsten Motoren, die BMW gebaut hat, und lief in Varianten bis 1994 weiter. Im CSi leistet er 200 PS aus 2.985 cm³ — zwanzig mehr als der Vergaser-CS bei identischem Hubraum.

Bosch D-Jetronic geprüft

Die erste elektronisch gesteuerte Saugrohreinspritzung in einem BMW-Coupé, erkennbar an der Saugbrücke mit den einzeln angesteuerten Einspritzdüsen. „D“ steht für Druck: Das Steuergerät misst den Unterdruck im Saugrohr und leitet daraus die Einspritzmenge ab. Für die frühen Siebziger war das Hightech — und heute ist es der Punkt, an dem ein CSi teuer werden kann, weil Steuergeräte, Druckfühler und Einspritzventile nur noch über Spezialisten kommen.

Was das für den CSL bedeutete geprüft

Die zweite CSL-Stufe ab 1972 übernahm diese Einspritzung. Mit 3.003 cm³ kam sie ebenfalls auf 200 PS — der Hubraumsprung um achtzehn Kubikzentimeter diente allein dazu, die Rennklasse über drei Liter zu erreichen. Der CSi ist damit technisch der Vater des Batmobils.

06 · Schwachstellen

Zuverlässigkeit & Schwachstellen

  • Rost ist beim E9 das Thema, das über Kauf oder Nichtkauf entscheidet. Die Hohlraumkonservierung ab Werk war unzureichend, und die Karosserie hat viele Stellen, an denen Wasser steht.
  • Die D-Jetronic ist die Schwachstelle, die der CSi allein hat. Steuergerät, Druckfühler, Temperatursensoren und Einspritzventile altern; die Teile sind nur noch über Spezialisten zu bekommen und entsprechend teuer. Ein Wagen mit dokumentiert überholter Anlage ist deutlich mehr wert als einer mit „läuft“.
  • Am M30 selbst sind undichte Ventilschaftdichtungen typisch, erkennbar an Blaurauch beim Gaswegnehmen, dazu Kolbenringverschleiß und die Zylinderkopfdichtung. Der häufigste Ausfallgrund ist aber das Kühlsystem.
  • Teile für Karosserie und Zierrat sind die eigentliche Hürde: Chromleisten, Stoßstangen und Anbauteile sind kaum noch zu beschaffen. Bei schlechter Substanz übersteigen die Restaurierungskosten regelmäßig den Fahrzeugwert.

07 · Technik

Fahrwerk, Bremsen, Getriebe

Fahrwerk

Bremsen

Lenkung

Getriebe

Technische Daten — Achsübersetzungen & Getriebe

Getriebe
Getrag 262 mit vier Gängen serienmäßig, Getrag 265/5 mit fünf Gängen auf Wunsch, Automatik gegen Aufpreis (3.0 CSiA)
Achsübersetzung
3,25 (39:12)
Sperrdifferenzial
mit 25 oder 40 Prozent Sperrwert lieferbar
Hubraum
2.985 cm³ — die 3.003 cm³ gehören zur zweiten CSL-Stufe, die 3.153 cm³ zum Batmobil
Bremsen
Scheiben an allen vier Rädern, seit dem 3.0 CS von 1971
Lenkung
ZF-Kugelumlauflenkung, in der Regel mit Servounterstützung
Typbezeichnung
BMW hat Aufkleber und Schilder für CS und CSi teilweise gemeinsam ausgeführt — der Reifendruckaufkleber im Motorraum trägt die Aufschrift für beide Varianten. Ob ein Wagen ein CSi ist, entscheidet die Saugbrücke mit der D-Jetronic, nicht der Schriftzug am Heck.

Gangübersetzungen der Getrag-Getriebe sind aus zulässigen Quellen nicht belegbar; BMW Group Classic und der PressClub führen für den E9 keine Getriebedaten.

08 · Kaufberatung

Worauf es ankommt: Rost, D-Jetronic, Papiere

Beim CSi kommt zur Rostfrage des E9 eine zweite dazu: der Zustand der Einspritzanlage. Beides zusammen entscheidet über den Preis — und beides lässt sich in einer halben Stunde grob einschätzen, wenn man weiß, wo man hinschaut.

Vordere Kotflügel und deren Befestigungsbereiche — der klassische erste Befall

Schweller, innen wie außen, und die Aufnahmen der Wagenheberpunkte

Fuß der A-Säule und der Übergang zum Windlauf

Rahmen der Frontscheibe und der Heckscheibe unter der Zierleiste

Radläufe hinten und die Ecken des Kofferraumbodens

Bodenblech, Sitzquerträger und die Aufnahmen der Hinterachse

Erst die Karosserie: Kotflügel, Schweller, A-Säulenfuß und die Scheibenrahmen unter den Zierleisten. Ein E9 mit weichen Scheibenrahmen ist ein Restaurierungsobjekt, kein Fahrzeug. Dann die Einspritzung: kalt starten, Leerlauf beobachten, warmfahren und im Teillastbereich auf Ruckeln achten. Belege über eine überholte D-Jetronic — Steuergerät, Druckfühler, Ventile, Temperaturgeber — sind bares Geld. Ohne sie eine vierstellige Rücklage einplanen. Danach der Motor: Blaurauch beim Gaswegnehmen deutet auf Ventilschaftdichtungen, das Kühlsystem komplett prüfen. Und zuletzt die Papiere. Der Unterschied zwischen CS und CSi ist heute vierstellig, deshalb lohnt der Blick aufs Detail: Matching numbers belegen lassen, Fahrgestell- gegen Motornummer prüfen, und im Motorraum nachsehen, ob wirklich die D-Jetronic-Saugbrücke verbaut ist. Ein nachträglich eingesetzter Vergasermotor macht aus dem CSi wieder einen CS.

09 · Galerie

Der abgebildete 3.0 CSi

Baujahr 1971, Fahrgestellnummer 2260076, am 12. Juni 1972 in Italien erstzugelassen, erster Halter in Verona, Kennzeichen VR 308428. Das originale Serviceheft von BMW Italia belegt die Auslieferungskontrolle am 13. Juni 1972, den 1.000-km-Programmtest am 14. Juli 1972 bei 1.589 km und die Inspektionen bis 90.000 km im Januar 1978 — zunächst bei der BMW-Filiale Verona, später bei Motocar Verona, deren Werkstattrechnung von 1981 dieselbe Fahrgestellnummer trägt. Ein Detail bleibt widersprüchlich und sei hier nicht geglättet: Serviceheft und Zulassungspapier nennen als Erstzulassung den 12. Juni 1972, der Vorlieferungsstempel ist auf den 13. Juni datiert, die Rechnung von 1981 führt den 10. Juni. Weiter in der Historie: 1972 Pressefahrzeug einer italienischen Autozeitschrift, bis 2014 in erster Hand — Serviceheft und Fahrzeugschein nennen dabei zwei Halter desselben Familiennamens —, 2018 nach Deutschland und danach in eine norwegische Sammlung, Neulackierung 2018 in der Originalfarbe Nachtblau metallic, Lederausstattung erneuert, ab Werk war der Wagen mit Velours ausgestattet, matching numbers, BMW-Zustandsbericht von Oktober 2023. Die Bilder entstanden bei einem BMW-Händler in Norwegen; das goldfarbene Coupé im Hintergrund einzelner Aufnahmen ist ein anderes Fahrzeug.

BMW 3.0 CSi der Baureihe E9 in Nachtblau metallic von der Seite
BMW 3.0 CSi (E9) in Nachtblau metallic, Seitenansicht von links. Baujahr 1971, erstzugelassen im Juni 1972 in Italien.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
BMW 3.0 CSi der Baureihe E9 von schräg vorn rechts
Der E9 von schräg vorn rechts, fotografiert bei BMW in Norwegen.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
BMW 3.0 CSi der Baureihe E9 von vorn
Die Front des 3.0 CSi mit den Doppelscheinwerfern und der schmalen Niere der ersten E9-Generation.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
BMW 3.0 CSi der Baureihe E9 von hinten
Das Heck mit dem Schriftzug 3.0 CSi — das i steht für die Bosch D-Jetronic, die den Sechszylinder auf 200 PS bringt.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Chromschriftzug 3.0 CSi auf der Heckklappe eines BMW E9
Der Schriftzug 3.0 CSi auf der Heckklappe.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Hofmeisterknick an der C-Säule eines BMW E9
Der Hofmeisterknick an der C-Säule — seit dem 1500 von 1961 ein Erkennungsmerkmal jedes BMW.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Vorderrad eines BMW 3.0 CSi mit Leichtmetallfelge
Die Leichtmetallfelge im typischen E9-Design.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Motorraum eines BMW 3.0 CSi mit M30-Sechszylinder und Bosch D-Jetronic
Der M30-Sechszylinder mit Bosch D-Jetronic. 2.985 cm³, 200 PS — matching numbers.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Typenschild im Motorraum eines BMW 3.0 CSi mit Farbaufkleber nachtblau metallic
Das Typenschild im Motorraum. Der Aufkleber daneben belegt die Werksfarbe: Außenlackierung BMW nachtblau metallic.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Reifendruckaufkleber im Motorraum eines BMW E9
Der Reifendruckaufkleber, ausgestellt gemeinsam für 3.0 CS und 3.0 CS injection. Unten der Hinweis: Superkraftstoff mit mindestens 99 Oktan.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Cockpit eines BMW 3.0 CSi der Baureihe E9
Das Cockpit mit dem viergeteilten Rundinstrumentenblock und dem Holzarmaturenbrett.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Innenraum eines BMW 3.0 CSi von der Beifahrerseite
Blick von der Beifahrerseite in den Innenraum. Das schwarze Leder wurde 2018 erneuert, ab Werk war der Wagen mit Velours ausgestattet.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Armaturenbrett eines BMW 3.0 CSi mit Holzblende
Armaturenbrett mit Holzblende und dem originalen Blaupunkt-Radio.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Hölzerner Schaltknauf auf der Mittelkonsole eines BMW E9
Der hölzerne Schaltknauf auf der Mittelkonsole, flankiert von den Wippen der elektrischen Fensterheber.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Türverkleidung eines BMW 3.0 CSi mit Holzleiste
Die Türverkleidung mit Holzleiste und dem charakteristischen Türgriff.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Fondsitze eines BMW 3.0 CSi der Baureihe E9
Die Fondsitze des Coupés — vollwertige Einzelsitze, nicht die übliche Notbank.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
Kofferraum eines BMW 3.0 CSi mit Reserverad
Der Kofferraum mit Reserverad unter der Bodenklappe.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH
BMW 3.0 CSi der Baureihe E9 von schräg hinten rechts
Der E9 von schräg hinten rechts. Die rahmenlosen Seitenscheiben und die fehlende B-Säule machen das Coupé zum echten Hardtop.Eigenes Foto · MOTORSPORT24 GmbH

10 · Quellen

Belege & Literatur

Leitquellen sind BMW Group Classic, der BMW PressClub und Wikipedia; alles andere gilt erst als geprüft, wenn zwei unabhängige Quellen übereinstimmen. Die Angaben zum abgebildeten Fahrzeug stammen aus der Fahrzeugdokumentation der MOTORSPORT24 GmbH und beziehen sich ausschließlich auf dieses eine Auto, nicht auf die Variante insgesamt. Fahrgestellnummer, Erstzulassung und Servicehistorie des abgebildeten Wagens sind durch das originale Serviceheft von BMW Italia, die italienische Zulassungsbescheinigung und Werkstattrechnungen der Jahre 1977 bis 1981 belegt. Die Bilder entstanden bei einem BMW-Händler in Norwegen; das goldfarbene Coupé, das auf einzelnen Aufnahmen im Hintergrund steht, ist ein anderes Fahrzeug.

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